PRO LEIPZIG e.V.

Publikationen - Stadtforschung - Bürgerbeteiligung

Aktuelles

PRO LEIPZIG beim Frühlingsfest im Haus der Demokratie und auf dem Connewitzer Straßenfest


Der Bürgerverein PRO LEIPZIG wird sich im Mai auf zwei öffentlichen Veranstaltungen mit einem eigenen Stand präsentieren und freut sich sehr, nach ewig langer Zeit mal wieder mit einem größeren Publikum in Kontakt treten zu können. Vielleicht kommen dorthin ja auch potentielle neue Vereinsmitglieder, um sich über unsere ehrenamtliche Arbeit zu informieren?

Das Haus der Demokratie bewirbt die erste der beiden Veranstaltungen folgendermaßen:

"Großes Frühlingsfest im Hof Haus der Demokratie... ... mit vielen Vereinen, Kaffee und Kuchen, Gegrilltem, Live-Musik und hoffentlich viel Sonnenschein
Abschlussveranstaltung ab 19 Uhr: Stadtratsupdate Live mit Martin und Jürgen: 'Was soll schon schief gehen?'
Ein bisschen Gossip aus dem Leipziger Stadtrat gefällig? Jürgen Kasek und Martin Meißner - beide Stadträte - nehmen uns mit in das, was regelmäßig in den heiligen politischen Hallen passiert. Welcher Ratsherr oder welche Ratsfrau hat das meiste Essen dabei? Was erwartet Leipzig in den kommenden Wochen Spektakuläres? Und warum nur - WARUM? - treffen wir uns an einem Freitag, den 13.?"

Die Kirchgemeinden des Leipziger Südens werben derweil mit folgenden Worten:

"Wir laden herzlich ein zum 29. Straßenfest am Connewitzer Kreuz unter dem Thema ,Brücken bauen'. Am 22. Mai 2022 erwarten Sie – hoffentlich wie gewohnt – ein buntes Programm, zahlreiche Stände aller Couleur, eine wunderbare Stimmung und gutes Wetter."

Also dann, vielleicht sieht man sich am 13. Mai 2022, 14-18 Uhr, oder am 22. Mai 2022, 11-18 Uhr, in Connewitz. Wir würden uns freuen!



Kein Denkmalschutz für die 80er-Jahre-Plattenbauten auf dem Matthäikirchhof


Quelle: Bettenburg/Wikipedia

Wie die Leipziger Zeitung und die Leipziger Volkszeitung am heutigen 3. Mai 2022 vermelden, hat das Sächsische Landesamt für Denkmalschutz bekannt gegeben, dass die in den 1980er Jahren errichteten Plattenbauten des Staatssicherheitskomplexes nun doch nicht unter Denkmalschutz gestellt werden. In der Vergangenheit war eine solche Unterschutzstellung von Befürwortern des Gebäude-Erhalts wiederholt angemahnt und gegenüber der Öffentlichkeit auch als erwartbar dargestellt worden - um damit einen Abriss des Gebäudetraktes zu verhindern. PRO LEIPZIG hatte sich derweil gegen einen Erhalt oder Teilerhalt ausgesprochen, um allen Akteuren größtmögliche gestalterische Freiheit bei der Planung des neuen Innenstadt-Areals zu geben. Wir fragen hier nicht, warum es so lange gedauert hat (fast ein Jahr länger als ursprünglich angekündigt), bis diese Entscheidung des Landesamtes für Denkmalschutz getroffen wurde. Unerheblich war diese Verzögerung aber nicht, denn eine offen im Raum stehende Unterschutzstellung musste in den Debatten der vier Fachwerkstätten stets mitbedacht werden und hat diese ganz sicher auch beeinflusst. Nun denn.

Als Ergebnis der Matthäikirchhof-Fachwerkstätten wird nun die Präferenz eines "Teilerhalts" präsentiert werden - und zwar auf einem Gesprächsabend mit Oberbürgermeister Jung und Baubürgermeister Dienberg, am 12. Mai 2022, 18 Uhr im Kupfersaal (Kupfergasse 2). Das "Matthäikirchhof-Forum" ist von jedermann besuchbar und auch als Stream anzuschauen auf der dafür vorgesehenen Webseite der Stadt.

Die Teilnehmer an den Fachwerkstätten haben einen "Matthäikirchhof-Code" formuliert, der die Ergebnisse ihrer Workshops und alle anderen Bürgerbeiträge zusammenfasst. Der "Code" soll auf dem Forum vorgestellt werden und anschließend als Orientierungsgrundlage für die Architektenentwürfe dienen. Einsehbar ist er hier.

PRO LEIPZIG wird am 12. Mai auf dem Forum präsent sein und das dortige Meinungsspektrum erweitern.


Ein neues Buch von Bernd Sikora: "Walter Gropius. Ein Spaziergang mit dem Bauhausdirektor"

Im Jahr 2019 wurde das einhundertjährige Bestehen des BAUHAUSES gefeiert. Walter Gropius, der Gründer dieser Kunstschule, die als die bedeutendste im 20. Jahrhundert gilt, wurde dabei in den Medien gefeiert, allerdings auch von einigen nachbetrachtenden Autorinnen und Autoren in seinem Rang als Architekt angezweifelt. Als Bernd Sikora 2019 den Auftrag erhielt, durch Texte und Bilder interessierten Lesern Leben und Werk von Walter Gropius in einem Buch zu vermitteln, hat er sich nicht auf den aktuellen Meinungsstreit eingelassen. Aus seinem über viele Jahre entstandenen positiven Bild vom BAUHAUS und aus vielen ihm verfügbaren historischen Dokumenten formte er reale und gedankliche Spaziergänge von Walter Gropius mit Freunden und Kollegen wie Lyonel Feininger und Gerhard Marcks sowie seinen beiden Ehefrauen Alma Mahler und nachfolgend Ise, geb. Frank. Sie debattieren dabei über Kunst, Handwerk und Technik in den politisch und wirtschaftlich wirren Jahren der Bauhauszeit in Weimar und Dessau. Zukunftsvisionen, gestalterische Leitbilder und Überlebensstrategien des Bauhausdirektors werden dabei erkennbar. Ebenso die vielstimmigen Angriffe gegen die Bauhausschule und ihren Gründer, die 1933 zur Schließung der Schule führten und viele der Lehrer und Schüler ins Exil trieben. Die Bauhaus-Zeit vom Walter Gropius am Bauhaus ist eingebettet in die seiner frühen Jahre in Berlin und die seines Spätwerkes in den USA und Deutschland.
Das Buch erschien im März 2022 als Abschluss der Bauhaus-Reihe des Verlagshauses am Römerweg Wiesbaden zum Ladenpreis von 19,90 EUR.
PRO LEIPZIG empfiehlt diese Publikation ausdrücklich und möchte interessierten Käufern signierte Bücher unseres Vereinsehrenmitglieds Bernd Sikora vermitteln. Schreiben Sie uns eine Mail!


_______________________________________________________________________________________________________________________________


In der Frühjahrsausgabe 2022 der "Leipziger Blätter" sind zwei interessante Artikel unseres Vereinsmitglieds Heinz-Jürgen Böhme zum Thema Matthäikirchhof erschienen, deren Lektüre den Leserinnen und Lesern hiermit nachdrücklich ans Herz gelegt wird. Ein dritter eingereichter Beitrag kam leider nicht mehr ins Heft, weshalb ihm an dieser Stelle die verdiente Öffentlichkeit zuteilwerden soll:





















Seit der Hitzekatastrophe von 2018 siecht der vordere Rosentalteich vor sich hin. Zwar ist er mittlerweile als solcher wieder erkennbar, seine Anmutung ist jedoch ungepflegt, der Wasserstand zu niedrig und zu instabil. Als Ursache wurde der klimabedingte Teufelskreis aus Temperaturanstieg, zu geringen Niederschlägen und zu weit abgesunkenem Grundwasserspiegel ausgemacht.

Nur wenige Meter weiter, im Zoo, zeigt sich eine völlig andere Situation: Hier beeinträchtigt der Klimawandel die Planung nicht; Wassermangel jedenfalls scheint im Hinblick auf die Feuerland-Inszenierung, einschließlich Wellenanlage und begehbarem Unterwassertunnel, keine Rolle zu spielen. Apropos, vier Pumpen arbeiten auf der Rosentalwiese einzig für den Bedarf des Zoos – mit wasserrechtlicher Genehmigung und mit Entnahmemengen innerhalb der erlaubten Grundwassernutzung, wie die Verwaltung vorsorglich betont. Naheliegende Überlegungen zugunsten des Teichs blockt das Amt für Stadtgrün und Gewässer ab: „Eine Nutzung der Zoobewässerung zur Befüllung des Rosentalteiches ist nicht möglich, da diese bereits für den Zoo selbst sehr knapp bemessen ist und kein Wasser zusätzlich abgegeben werden kann.“ Auch die Einrichtung eines neuen Brunnens im Teichumfeld sei abzulehnen, da dies unweigerlich dazu führe, daß die hier bereits bestehenden Defizite im Grundwasserhaushalt noch weiter erhöht würden. Der prestigeträchtige Zoo hat oberste Priorität, sein Bedarf wird offenbar diskussionslos anerkannt und umgehend abgesichert. Der Vorsitzende des Bürgervereins Waldstraßenviertel e. V., Jörg Wildermuth, wollte es genauer wissen: „Wie viel Grundwasser entzieht der Zoo eigentlich insgesamt dem Rosental als Brauchwasser? Die Antwort darauf wird uns unverständlicherweise bis heute mit Hinweis auf den Datenschutz verweigert. [...] Angesichts des, auch mit der Trockenheit zusammenhängenden, Baumsterbens im Rosental wäre das aber eine wichtige Information. Mal sehen, ob zumindest die Stadträte diese Zahlen erhalten.“

Der Teich wiederum, so behauptet das besagte Amt, sei „wichtiger Teil des unter Denkmalschutz stehenden vorderen Rosentals“. Bekanntermaßen ist jedoch nicht der stets wohlklingende theoretische Status entscheidend, sondern allein die durch Taten belegte Wertschätzung, und die ernüchtert: „Kurzfristige Rettungsmaßnahmen sind nicht vorgesehen.“ Die Verwaltung hatte sich bereits früher einen schlanken Fuß gemacht mit der pauschalen Ansage, daß man bei trockengefallenen Teichen ausschließlich auf natürliche Befüllung durch Grund- und Regenwasser setzt. Indessen hatten vielerorts Vereine und Initiativen, quasi als Ersthelfer, die Sache selbst in die Hand genommen. Schon im Juli des Dürresommers 2018, als die Lage prekär wurde, kescherten Mitglieder des Anglerverbands die letzten Fische aus dem Rosentalteich und kurz darauf gelang es der Familie Wiese noch zehn lebende Exemplare der bis zu 20 Zentimeter langen, unter Naturschutz stehenden Großen Teichmuschel aus dem Schlamm zu bergen. Im Dezember 2018 rettete ein Bündnis aus Anglerverband, Freiwilliger Feuerwehr Mölkau und Bürgerverein Sellerhausen-Stünz den Teich im Volkshain Stünz über eine 800 Meter lange Schlauchleitung mit Wasser aus einer Baugrube. Auch der Stadtbezirksbeirat Mitte fand sich mit der propagierten Passivvariante nicht ab und brachte 2021 einen Beschlußantrag in die Ratsversammlung ein: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein Konzept zum Erhalt des Vorderen Rosentalteichs in seiner gestalterischen und ästhetischen Funktion bis zum II. Quartal 2022 vorzulegen.“ Abgesehen vom fehlenden Verweis auf die ökologische Funktion ist der Antrag absolut begrüßenswert. Aber warum muß dem zuständigen Amt erst per Stadtratsbeschluß auf die Sprünge geholfen werden? Dessen Bewertung mehrerer Varianten zur Stabilisierung des Wasserstands blieb „leider ohne positive Ergebnisse“. Die Parthe sei zu schwach in der Wasserführung und zu verschmutzt. Das Grundwasser des Rosentals ist, wie gesagt, dem Zoo vor behalten. Schließlich vertröstete man auf den Pleißemühl-graben, allerdings mit der ernüchternden Einschränkung, daß diese Option erst geprüft werde, nachdem dessen Öffnung beschlossen ist.



In puncto Ratsbeschluß sah sich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zu einem Änderungsantrag veranlaßt:
„Die Stadtverwaltung wird beauftragt, bis zum II-Quartal 2022, soweit vorhanden, Schäden an der Teichsohle zu beseitigen. Weiterhin soll eine Tafel am Teich aufgestellt werden, die die Geschichte der Rosentalwiese erläutert und verdeutlicht, daß der Teich der Rosentalwiese aufgrund der Prozesse des Klimawandels trocken-gefallen ist und kein dauerhaftes Wasser führt.“ Trotz semantischer Schnitzer fand das geänderte Ziel mehrheitlich Akzeptanz. Die finale Abstimmung ergab fast ein Patt: 21 Stimmen dafür, 19 Stimmen dagegen und 19 Enthaltungen. Anstelle eines Erhaltungskonzepts etwas Flickwerk und ein tolles, bald zugespraytes Erklär-Schild – welch ein kraftvolles, zukunftweisendes Bekenntnis. Die Beseitigung des störenden Betonblocks in der Teichmitte wurde übrigens nicht thematisiert, da das wohl auf eine Grundsanierung des Teiches hinausliefe, die offenbar niemand für nötig hält. Auch als im Oktober 2021 pikanterweise die Baugrube der „Wasserwelt“ abzusaufen drohte, fand sich keiner, der bereit war, aus der Not des Zoos eine Hilfe für den Teich werden zu lassen.
Nein, es darf nicht dem Zufall überlassen werden, ob das Element Wasser dieser Landschaft erhalten bleibt. Der vordere Teich gehört, ebenso wie der hintere, leider nicht minder gefährdete, gleichsam zum unverzichtbaren natürlichen Grundinventar des Rosentals. Wer hier jemals im Frühling das Gewimmel abertausender Kaulquappen erlebt hat, ahnt, welch beeindruckende Lebenskraft sich in diesem Biotop zu entfalten vermag. Eine junge Frau, die neulich am Ufer mit Spaziergängern ins Gespräch gekommen war und sich über die Situation echauffierte, erklärte sich spontan bereit, notfalls eine Eimerkette zu organisieren. Nicht ganz ernst gemeint, sicher, aber sehr symbolisch.

Nachtrag: Wie die Leipziger Volkszeitung am 25. März 2022 vermeldete, haben das Amt für Stadtgrün und Gewässer und der Leipziger Zoo beschlossen, dem Vorschlag von Jörg Wildermuth (Bürgerverein Waldstraßenviertel) und Heinz-Jürgen Böhme (Pro Leipzig) zu folgen, und Wasser aus der vollgelaufenen Zoo-Baugrube "Feuerland" in den Rosentalteich hinüberzupumpen. Auch wenn der Termin dafür noch nicht ganz klar ist und es eine einmalige Aktion bleiben soll, ist diese Initiative durchaus zu begrüßen. Hoffen wir, dass die Teichsohle das Wasser hält und kein nächster Dürre-Sommer das Standgewässer erneut austrocknen lässt!

Buchempfehlung

Nicht bei PRO LEIPZIG erschienen, aber dennoch eine Empfehlung wert:




Erholsame Weihnachtsfeiertage für alle!

Der Vorstand von PRO LEIPZIG wünscht allen Mitgliedern und Freunden des Vereins sowie allen an unserer ehrenamtlichen Arbeit Interessierten ein wunderschönes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Auf dass wir alle in Gesundheit und Frieden ein erfolgreiches Jahr 2022 erleben können!

Das Büro wird vom 24. Dezember 2021 bis 3. Januar 2022 für den Publikumsverkehr geschlossen sein und nur zur Abwicklung von Online-Bestellungen sporadisch besetzt werden.

Wir freuen uns, Sie dann wieder ab 4. Januar 2022 zu den gewohnten Öffnungszeiten persönlich begrüßen zu dürfen!

Herzlichst, Martin Malangeri und Michael Liebmann



Künftiger Standort der Musikschule Johann Sebastian Bach sollte der Matthäikirchhof sein

In Sachen Bürgerbeteiligungsprozess zur Neugestaltung des Matthäikirchhofs gibt es zu vermelden, dass die Stadtverwaltung mittlerweile das Protokoll der 3. Fachwerkstatt vom 9.9.2021 sowie eine Auswertung der Aktionswochen vom 19.-22.9.2021 auf Ihrer Webseite veröffentlicht hat. Die 4. Fachwerkstatt soll im März stattfinden. Ein genauer Termin ist aber - nach Auskunft einer Angestellten im Stadtbüro - wegen der aktuellen Corona-Pandemie-Entwicklung noch nicht sicher vorhersagbar. Damit das Thema im nächsten Vierteljahr dennoch nicht ganz aus den Köpfen der Bürgerschaft verschwindet, stellt unser Vereinsmitglied Heinz-Jürgen Böhme folgenden Vorschlag zur Diskussion, den PRO LEIPZIG vollumfänglich begrüßt und unterstützt:

 

Derzeit ist die Musikschule unter anderem im Gebäude der ehemaligen Reichsbank (hier 1890) in der Petersstraße 43 präsent. © Pro Leipzig

Schon vor geraumer Zeit wurde der künftige Matthäikirchhof mit einer dominanten politischen Orientierung bedacht, demgegenüber blieben die hier anzustrebenden kulturellen Komponenten bislang eher vage.

Dabei bietet insbesondere die reiche, beinahe 250jährige Musikgeschichte für die Perspektive des Kirchhofs bemerkenswerte Ansätze. Diese Traditionslinien sind u. a. mit Georg Philipp Telemann, den beiden Orgelbaumeistern Donat, Johann Adam Hiller, Johann Gottfried Schicht, Ernst Anschütz, E.T.A. Hoffmann, Carl Friedrich Zöllner, dem Musikhistoriker Carl Augustin Grenser sowie mit vielfältigen weiteren Bezügen verbunden, etwa zum Theater auf der Ranstädter Bastei, dem späteren Alten Theater, oder zu Richard Wagner.

Nicht zuletzt sei daran erinnert, dass vier Töchter Johann Sebastian Bachs langjährig im Blauen Stern auf dem Neukirchhof in einer gemeinsamen Wohnung als Almosenfrauen lebten.

Vor diesem Hintergrund ist die Musikschule "Johann Sebastian Bach" geradezu prädestiniert, hier ihr neues Domizil zu erhalten. Damit verknüpft sich die berechtigte Hoffnung, dass sie sich mit ihren zeitgemäßen Unterrichtsformen, mit öffentlichen Konzerten unterschiedlichster Genres sowie mit der unerschöpflichen Bandbreite musikalischer und tänzerischer Impulse zu einem kulturellen Nukleus des Viertels entwickeln wird.

Es ist diesem geschundenen, seit Jahrzehnten brachliegenden Ort kaum Besseres zu wünschen, als eine solch herausragende musische Bildungsstätte mit frischer Strahlkraft. Überdies besteht hier die Chance, mit einem signifikanten Bau das Bild des neuen Matthäikirchhofs zu prägen und die Musikschule auch in architektonischer Form wahrnehmbar in der Kulturlandschaft Leipzigs zu verankern.

Heinz-Jürgen Böhme

20.12.2021



Pro-Leipzig-Führung um den Elsterstausee am 30. Oktober 2021

Der Elsterstausee im Jahr 2008, Quelle: Wikipedia / ch_ivk

Der Leipziger Elsterstausee ist Geschichte. Wo einst Wellen spielten, Badende sich vergnügten, Segel gesetzt, die "Immer bereit" in See stach und bis zu 300 Tonnen Karpfen jährlich abgefischt wurden, liegt heute eine weite, trockene Ebene, in der Schafe und Ziegen weiden. Der See war einer zu viel im Leipziger Neuseenland. Er wurde aufgegeben, trotz der Tatsache, dass er der erste und für Jahrzehnte auch einzige Ort in und um Leipzig war, an dem maritime Träume ausgelebt werden konnten. Zusammen mit dem Förderverein Elsterstausee hat PRO LEIPZIG 2018 das umfangreiche Buch "Der Leipziger Elsterstausee. Seine Geschichte vom Anfang bis zum Ende" erarbeitet und herausgegeben. Unter anderem auf dessen Grundlage wird unser Vereinsmitglied Peter Helbig eine Führung um den trocken gefallenen und rechtlich entwidmeten See veranstalten und läd hiermit alle Interessenten herzlich ein.

Treffpunkt: Samstag, 30.10.2021, 14 Uhr, Parkplatz Elsterstausee

Eine kleine Aufwandsentschädigung von 5 Euro pro Person kann beim Kauf eines Buches "Elsterstausee" (24 Euro) verrechnet werden. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!


Der sächsische Umweltminister lud am 4. Oktober 2021 zum "Forum Leipziger Auwald"

Unter dem Motto "Leipziger Auwald - Aue gemeinsam neu denken" hat der Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Wolfram Günther, am 4. Oktober, 16.30 - 21.00 Uhr, Expertinnen und Experten in die Leipziger Konsumzentrale eingeladen und für ein gemeinsames, konstruktives Handeln zur Erreichung des ambitionierten Ziels der Revitalisierung des gefährdeten Auwaldes geworben. Für PRO LEIPZIG war Vereinsvorstand Michael Liebmann beim Forum mit dabei. Nach Einführungsvorträgen von Wolfram Günther (Sächsischer Umweltminister), Heiko Rosenthal (Umweltbürgermeister der Stadt Leipzig), Prof. Dr. Christian Wirth (iDiv / Uni Leipzig) und Karin Lange (Projekt Lebendige Luppe / Uni Leipzig) wurde sich in acht themenbezogenen Diskussionskreisen über die großen Chancen und möglichen Probleme dieses Großprojektes ausgetauscht. Ungeachtet einiger Differenzen in Detailfragen herrschte ein freundlicher, konstruktiver Geist: Allseits war die Vorfreude zu spüren, dass es nun endlich richtig losgehen soll. Angesichts des zunehmend desolaten Zustandes unseres weitgerühmten Waldjuwels auch keine Minute zu früh. Das federführende Dresdner Staatsministerium hat zur Veranstaltung folgende Presseerklärung herausgegeben:

"Am Montagabend (4.10.) haben mehr als 80 Expertinnen und Experten in der Leipziger Konsumzentrale beim »Forum Leipziger Auwald« den aktuellen Arbeitsstand und Pläne für die Revitalisierung und naturnahe Auenentwicklung im Großraum Leipzig diskutiert. Das Forum ist der Auftakt zu einer fachübergreifenden Zusammenarbeit aller Interessenvertreterinnen und -vertreter, um die Revitalisierung des ökologisch bedeutsamen Gebiets zu erreichen. Eingeladen hatte Sachsens Umweltminister Wolfram Günther.

Der Minister hob hervor: »Der Auwald ist eine einzigartige Landschaft inmitten einer wachsenden Großstadt. Klimawandel und umfangreiche wasserbauliche Maßnahmen der zurückliegenden Jahrzehnte bedrohen dieses wertvolle Ökosystem. Wir müssen handeln. Darüber besteht Einigkeit. Verbände, beteiligte Kommunen, Landkreise, Landestalsperrenverwaltung, forstliche Nutzer, Landwirtschaft und die vielen anderen Nutzerinnen und Anrainer in und um den Auwald bringen unterschiedliche Sichtweisen und verschiedene Interessen mit – von Naturschutz über Hochwasserschutz und Waldbewirtschaftung bis Naherholung, um nur einige zu nennen. Schutz und Stärkung dieses einzigartigen Ökosystems können nur gelingen, wenn alle Interessenträger gemeinsam einen Weg zur Revitalisierung des Auwalds verabreden. Ich sehe es als Erfolg, dass die Akteurinnen und Akteure seit einigen Monaten wieder neu im Gespräch sind und heute beim ersten Auwald-Forum den Beginn dieses Wegs abstecken. Wir haben eine große, sehr schöne und lohnenswerte Aufgabe vor uns.«

Das »Forum Leipziger Auwald« setzt die bisherigen Aktivitäten fort, mit denen verschiedene Nutzungsansprüche und Schutzanforderungen im Bereich des Auwalds gebündelt werden. Im November 2020 hatten Fachleute aus Wissenschaft, Behörden und Verbänden unter Federführung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung einen gemeinsamen Strategieplan veröffentlicht.

Das Papier beschreibt in zehn Thesen die ökologischen Grundprinzipien für den Erhalt der Leipziger Auenlandschaft und ihrer Ökosystemleistungen. Zudem diskutiert es spezifische Herausforderungen für einzelne Lebensräume und formulierte Bedingungen für eine erfolgreiche Revitalisierung.

Die Entwicklung des Leipziger Auwalds ist zudem im Sächsischen Auenprogramm sowie im sächsischen Koalitionsvertrag verankert. Ziel der verschiedenen Aktivitäten und Maßnahmen ist es, ein Naturschutzgroßprojekt inmitten einer Großstadtregion zu entwickeln.

Der Leipziger Auwald hat aufgrund seiner Größe, Lage und biologischen Vielfalt eine besondere ökologische Bedeutung. Das Vorkommen der Wildkatze und zahlreicher weiterer Tier- und Pflanzenarten im Leipziger Auwald haben einen herausgehobenen Stellenwert. Es sind Arten nationaler Verantwortung. Viele dort lebende Tier- und Pflanzenarten sind an eine intakte Flussaue und einen naturnahen Auwald gebunden. Das Waldgebiet ist außerdem wichtig für das Stadtklima in Leipzig und ein Naherholungsgebiet der Region."


Passend zum Jahrestag der deutschen Einheit gibt es eine neue Wortmeldung des Vereins zum Matthäikirchhof:



Zu den "Aktionstagen Matthäikirchhof" vom 19. bis 22. September 2021: Unser Statement

Es ist allen Organisatoren und Beteiligten der Aktionstage für ihren Arbeits- und Zeitaufwand herzlich zu danken. Ihrem Engegement ist zu verdanken, dass das neu zu bebauende Areal wieder stärker ins Gedächtnis der Bürgerschaft gerückt ist. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt auch die Basisstation von "Leipzig weiter denken", deren Präsenz an einem zentralen Ort das Thema dem dort hauptsächlich verkehrenen, eher konsumorientierten Publikum informativ vor Augen geführt hat. PRO LEIPZIG beteiligte sich an den Aktionstagen am 20.9.21 mit einer Führung unseres Vereinsmitgliedes Heinz-Jürgen Böhme, an der auch die Journalisten Antonia Weber von der Leipziger Zeitung und Mathias Orbeck von der Leipziger Volkszeitung teilnahmen. Erstere berichtete noch am selben Abend darüber - nachzulesen hier. Eine Ergänzung dazu von Seiten unseres Vereins stellte die Leipziger Zeitung am 24.9.21 online. Ebenfalls am 24.9.21 erschien ein ausführlicher Artikel in der Leipziger Volkszeitung, mit flankierendem Kommentar des Redakteurs Orbeck. Hier die Ausführungen von PRO LEIPZIG dazu, wie sich der Verein die zukünftige Gestaltung des Matthäikirchhof-Areals vorstellt:

Der neue Matthäikirchhof – Überlegungen zur Perspektive

Der Stasi-Anbau aus den 1980er Jahren blockiert die bauliche Entwicklung des Innenstadtquartiers

Die Macht der Stasi wurde vor drei Jahrzehnten gebrochen, es ist höchste Zeit, dem Matthäikirchhof ein freundliches Gesicht zu geben und ihn wieder zu einem lebendigen Teil der Stadt zu machen. Um dafür einen umfassenden Planungsspielraum zu ermöglichen, ist der komplette Abbruch des monströsen Stasi-Erweiterungsbaus unabdingbar. Fassadenkosmetik und exorbitante Umbaukosten lösen das Problem nicht. Als Symbol der Staatssicherheit und als Stätte des Bewahrens, Gedenkens und der politischen Reflexion ist die „Runde Ecke“ die richtige Adresse, künftig im Verbund mit dem administrativ festgelegten „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“, von dessen inhaltlicher Ausgestaltung ausgerechnet die Bürgerschaft ausgeschlossen ist, sowie flankiert vom Archiv der sächsischen Stasi-Unterlagen. Ein Kompaktpaket auf immerhin einem Drittel der Gesamtfläche! Falls dann noch das von der Verwaltung erstrebte 200-Millionen-„Zukunftszentrum“ und ein netter Firmensitz dazu kommen, dürfte der Platz für Anderes knapp werden.

Zunächst geht es jedoch darum, das bisher abgeschottete Areal städtebaulich klug und weitsichtig neu zu strukturieren und wieder an die Altstadt anzubinden. Wie vom Stadtrat schon 1991 in der „Erhaltungssatzung Innenstadt“ fixiert, sollten dabei historische Baufluchten ebenso angestrebt werden, wie die Erhaltung der aus den historischen Grundstücksgrößen überkommenen Formate. Die spannungsvolle Raumgliederung sowie die Kleinteiligkeit der Bebauung sind entscheidende Kriterien der anzustrebenden neuen Individualität. Da diese im konkreten Fall nur mit den Mitteln hochwertiger moderner Architektur erreicht werden kann, ist allerhöchster Anspruch gesetzt – eine Herausforderung, die in der Leipziger Altstadt in den vergangenen Jahren freilich äußerst selten eingelöst wurde. Die Installation von Großbausteinen ist dem Ziel abträglich, zerstörerisch geradezu. Der Kirchhof, dieser zentrale Stadtplatz, sollte ein einladender Begegnungsort sein mit besonderem, durchaus überraschendem Flair, jedenfalls ein Platz, den man gern und oft aufsucht. Er sollte in jedweder Beziehung barrierefrei sein, ausreichend mit Bäumen und Bänken bestückt und gemäß der historischen Situation sollte ein Brunnen nicht fehlen. Auf dem Areal des heutigen Parkplatzes hinter dem Großen Blumenberg empfiehlt es sich vorrangig Wohnen anzusiedeln, ausgerichtet in Anlehnung an die historische Grundstücksstruktur zwischen Großer Fleischergasse und der wieder anzulegenden Töpferstraße, gut besonnt und mit grünen, nicht zu engen Höfen, mit Spiel- und Sitzmöglichkeiten, vielleicht eine Kita – damit auch junges Leben gedeihen kann. In den Erdgeschossen verträgliches Handwerk, Dienstleister, Kreativwerkstätten, Gastronomie und kleine Händler – jedenfalls keine Ketten und Großformate.

Die Große Fleischergasse ist als Straßenraum seit dem Krieg nicht erlebbar und bedarf wieder einer in Gestalt und Funktion attraktiven Westseite, deren Baulinie der historischen Krümmung folgen sollte. Hier ist die Kontaktzone zur Altstadt, zur Kneipenmeile und zum Jägerhof mit seiner hochkarätigen, aber (abgesehen vom Kino) derzeit noch toten Passage. Leider zeigt auch der neue Primark-Komplex hier nur seine abweisende Seite. Eine passagenartige Verbindung zur Hainstraße, wie sie vor dem Krieg an gleicher Stelle in der Tuchhalle bestand, dürfte unter heutigen Bedingungen kaum mehr erreichbar sein.

An der Klingertreppe wird deutlich, dass der monströse Verwaltungsbau wie ein Querriegel eine öffnende Wegeführung zum Matthäikirchhof-Areal verhindert

Im zentralen Bereich des Matthäikirchhofs sollten die Volkshochschule und die Musikschule Johann Sebastian Bach ihren Platz finden. Mit letzterer könnte die lange und vielschichtige Musiktradition des Ortes aufgenommen und weitergeführt werden. Zu erinnern ist etwa an Georg Philipp Telemann, E. T. A. Hoffman, Carl Friedrich Zöllner oder Ernst Anschütz, um nur einige zu nennen. Auch eine Kleinbühne, ein Club oder eine Galerie sind im südöstlichen Bereich vorstellbar. An Vorschlägen aus der Bürgerschaft mangelt es jedenfalls nicht. Aber egal an welcher Stelle diese Träger kultureller Vielfalt auch immer angesiedelt werden, es ist unumgänglich stabile und auskömmliche Bedingungen zu garantieren, vor allem bezahlbare Mieten. Da die in Rede stehenden Grundstücke allesamt städtisch sind, sollte hier eine für das Gesamtmilieu vorteilhafte Steuerung erfolgen. Geschieht dies nicht oder nur halbherzig, bröckelt das Konzept vom Individuellen ins Austauschbare.

Apropos Eigenart, warum nicht einmal die lokale Geschichte im Freiraum reflektieren? Von der urbs libzi über das Barfüßerkloster, die Neu- bzw. Matthäikirche, über jahrhundertlang florierendes selbstbewusstes bürgerliches Leben, Persönlichkeiten, die hier wohnten und wirkten, über den Untergang des Viertels am 4. Dezember 1943, den archäologischen Grabungen der Nachkriegszeit bis hin zu dem monströsen Bau, mit dem der Stasi das Areal in den 1980er Jahren okkupierte. Einprägsam veranschaulicht ließe sich so unkompliziert und schwellenlos der Metamorphose des Viertels nachspüren und über die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse, aber auch über aktuelle Probleme demokratischer oder scheindemokratischer Prozesse und Erscheinungsformen ins Gespräch kommen.

Noch einmal: Der Bürgerverein Pro Leipzig e.V. plädiert nachdrücklich dafür, maximale planerische Flexibilität zu schaffen und dafür das Areal bis auf die denkmalgeschützten Gebäude von allen Hemmnissen und Bremsklötzen zu befreien. Die politische Geschichte bleibt auch mit dem Erhalt einiger typischer Elemente erzählbar. Und was den für Anfang 2022 anstehenden städtebaulichen Wettbewerb betrifft, der sollte unbedingt uneingeschränkt und frei ausgeschrieben werden, damit für das anspruchsvolle Ziel keine Ideen verloren gehen.


Aktionstage Matthäikirchhof, 19. - 22. September 2021

Nachdem nun mittlerweile das Protokoll zur 2. Fachwerkstatt auf der Webseite der Stadt zu finden ist und auch die Online-Befragung eine Auswertung erfahren hat, werden bezüglich der zukünftigen Strukturen auf dem Areal die ersten Entscheidungstendenzen sichtbar. Es wird deshalb Zeit, dass PRO LEIPZIG sich noch einmal in den Bürgerbeteiligungsprozess einbringt, um die Präferenzen des Vereins deutlich zu machen. Im Rahmen der "Aktionstage Matthäikirchhof", die vom 19.-22. September 2021 stattfinden werden, beteiligen wir uns deshalb auch mit einer Aktion. Der Veranstalter "Leipzig weiter denken" verspricht den interessierten Bürgern "Öffentliche Beteiligung, Ausstellungen und Führungen". Das Programm der Aktionstage kann hier in einer übersichtlichen Variante eingesehen werden.

Am Montag, den 20. September 2021, 16-18 Uhr, wird unser Vereinsmitglied Heinz-Jürgen Böhme bei einer informativen Führung einen Einblick in die kulturhistorische und strukturelle Entwicklung des Areals Matthäikirchhof geben - von der städtebaulichen Situation vor der Kriegszerstörung bis zum heutigen Zustand. Anschließend soll ein Gedankenaustausch über die Möglichkeiten und Notwendigkeiten der neuen Prägung dieses besonderen Ortes mit den beteiligten Bürgern stattfinden. Um eine solche Diskussion im (geräuschvollen) öffentlichen Raum möglich zu machen, wird die Teilnehmerzahl notgedrungen begrenzt sein. Rechtzeitiges Erscheinen sichert also gute Plätze.


Neues vom Bürgerbeteiligungsverfahren zur Neugestaltung des Matthäikirchhofs

Da, wie bereits vermeldet, PRO LEIPZIG leider keinen Zugang zu den Fachwerkstätten bekommen konnte, hat der Verein nun versucht sich anderweitig einzubringen. In der Fachdiskussion am 14. Juni 2021, bei der es um den Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR am Matthäikirchhof ging, hat unser Vereinsmitglied Stefan Riedel dafür geworben, den unansehlichen und querliegenden 80er-Jahre-Verwaltungsblock zu schleifen, um traditionelle Wegebeziehungen und damit eine ergebnisoffenere Zukunftsplanung möglich zu machen. Zudem plädierte er dafür, auch die Geschichte vor 1945 nicht zu vergessen. Es handelt sich bei diesem Areal ja um nicht weniger als die bauliche Urzelle unserer Stadt. Eine gedankliche Begrenzung auf die Stasi-Gebäude allein würde dem historischen Ort nicht gerecht werden. Schließlich war der ja zuvor jahrhundertelang ein reges Zentrum bürgerlichen, kulturellen und religiösen Lebens - kann also auch von dieser Seite her als Erinnerungsobjekt und Diskussionsansatz für das geplante Forum für Demokratie gesehen werden und nutzbar sein.

Das Zentrum für Baukultur Sachsen hat die genannte Online-Diskussion bei YouTube eingestellt, wo sich jedermann selbst ein Bild machen kann, wie ausgewählte Architekten und Denkmalschützer über den umstrittenen DDR-Plattenbau denken. Da die Veranstaltung im Rahmen des Bürgerbeteiligungsverfahrens lief, ist sie nunmehr auch auf der offiziellen Seite der Stadt Leipzig benannt und verlinkt.

Auf Nachfrage beim verantwortlichen Projektteam "Leipzig weiter denken", wer denn nun in den Fachwerkstätten dabei sein und solcherart maßgeblich an den Grundlagen der späteren Ausschreibung mitwirken darf, hat man nun auch die personelle Zusammensetzung der Werkstättengruppen anschaulich gemacht. Namen werden freilich nicht genannt, insofern weiß man noch immer nicht, auf wen man mit Nachfragen und Vorschlägen konkret zugehen könnte. Die Öffentlichkeit muss vorlieb nehmen mit dem, was das Projektteam an Informationen in den Protokollen der Fachwerkstätten formuliert.

Eine Auswertung der 1. Fachwerkstatt vom 9. Juni 2021 ist erfolgt und online gestellt. Die Inhalte sind formell gut aufbereitet und anschaulich präsentiert. Auch die bei der Auftaktveranstaltung am 19. April 2021 am häufigsten gestellten Fragen wurden verständlich und transparent beantwortet. Was bei der Auswertung der 1. Fachwerkstatt für Außenstehende jedoch nicht ganz nachvollziehbar bleibt, ist die Gewichtung der einzelnen Meinungen. Sind dort die Äußerungen aller Beteiligten abgebildet? Oder hat man ähnliche Ideen zu einer gebündelt, wo sie jetzt gleichwertig mit diversen Einzelmeinungen stehen? Soll heißen: Ohne, dass man auf dort Beteiligte zugehen kann, um sie über die Diskussionen in den Werkstätten befragen zu können, kann ein Außenstehender die Arbeit in den Workshops und sich dort abzeichnende Trends nicht leicht bewerten. Trends können ja auch per Layout präferiert und forciert werden. Interessant wird es sein zu erfahren, wie die Meinungen in den Arbeitsgruppen bezüglich des Umgangs mit den DDR-Bauten sein werden. Die Veröffentlichung des Protokolls der 2. Fachwerkstatt vom 1. Juli 2021, wo dieses Thema war, steht aktuell (05.08.21) noch aus.


Fachdiskussion im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprozesses Matthäikirchhof am 14. Juni 2021

Gestern, am 9. Juni, hat nun die erste von vier Fachwerkstätten zur städtebaulichen Entwicklung des Matthäikirchhofes stattgefunden - leider ohne Beteiligung von PRO LEIPZIG. Obwohl unser Vereinsmitglied Heinz-Jürgen Böhme im Auftrag der Stadt das umfangreiche Gutachten zur Geschichte des Areals erstellt hat, welches die Grundlage der gestrigen Workshop-Diskussionen sein sollte, ist es uns nicht gelungen, einen Vertreter in der Runde zu platzieren. Überhaupt ist Stand heute, den 10. Juni, für die Öffentlichkeit weiterhin nicht ersichtlich, wer denn nun das Losglück hatte und bei den Fachwerkstätten dabei sein darf. Interessant wäre ja zu erfahren, ob - bei aller begrüßenswerten Vielfalt - auch Personen mit Sachkenntnissen involviert sind. Schließlich sollen die Fachwerkstätten ja nichts weniger als die Richtlinien der späteren Ausschreibung festzurren - da bedarf es schon einer gewissen Expertise. Eine Liste mit den Namen aller Beteiligten sollte eigentlich online gestellt werden, ist aber derzeit ebensowenig auf den Seiten der Stadt zu finden, wie das gleichfalls versprochene Protokoll der gestrigen Zusammenkunft. Wir hoffen, das ganze Prozedere wird noch etwas transparenter für die Öffentlichkeit.

Eine Einladung hat PRO LEIPZIG erhalten zu einer Fachdiskussion am 14. Juni, die das in Dresden beheimatete Zentrum für Baukultur Sachsen (ZfBK) organisiert hat und welche vom Veranstalter im Rahmen des Beteiligungsprozesses verortet wird. Ein Hinweis auf diese hochkarätig besetzte Diskussionsrunde ist auf der einschlägigen Seite der Kommune allerdings merkwürdigerweise nicht zu finden. Deshalb machen wir an dieser Stelle darauf aufmerksam und bitten alle Interessenten, sich für diese Online-Diskussion zu registrieren und das Gespräch der Fachleute zu mitzuverfolgen. Der Einfachheit halber sei an dieser Stelle die Pressemitteilung des ZfBK zitiert:

„Unbequeme Bauten? – Zum Umgang mit dem baulichen Erbe der DDR am Matthäikirchhof Leipzig“

Montag, 14.06.2021, 17:00 Uhr
 
Online-Fachgespräch im Rahmen des Beteiligungsprozesses zur Entwicklung des Matthäikirchhofs in Leipzig.
 
Es geht um die Zukunft der baulichen Relikte der 1980er Jahre auf dem Matthäikirchhof. Wie ist im Planungsprozess für dieses Stadtareal mit den politisch belasteten Bauten von Staatssicherheit und Volkspolizei umzugehen? Welche architektonische und städtebauliche Bedeutung hat der Bestand gegenüber der Tatsache, dass es sich hierbei um authentische Zeugnisse der Zeitgeschichte handelt?
 
Für mehr Informationen zur Veranstaltung bitte diesen Link anklicken.

  Es diskutieren:
• Thomas Dienberg, Baubürgermeister der Stadt Leipzig
• Prof. Dr. Rainer Eckert – Gründungsdirektor Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
• Dr. Ulrike Wendland, Geschäftsführerin Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, Berlin; ehemalige Landeskonservatorin von Sachsen-Anhalt
• Prof. Dipl.-Ing. Ronald Scherzer-Heidenberger, Professur für Regionalplanung und Städtebau, HTWK Leipzig
• Adrian Reutler, Architekt, Kammergruppenvorsitzender der AKS Kammergruppe Leipzig
• Wolf-Heiko Kuppardt, Architekt, Mitglied der Kammergruppe Leipzig und BDA Sachsen
• Stefan Riedel, Architekt BDA, Vertreter von Pro Leipzig e.V.
 
Moderation: Kirsten Angermann
 
  Anmeldung und Online-Zugang über Zoom: Bitte hier klicken.


Otto-Runki-Platz: Geschrumpfte Erinnerungskultur und fragwürdige Planung

Der Platz an der Eisenbahnstraße ist seit 1981 dem Antifaschisten Otto Runki gewidmet, der am 4. April 1945 im KZ Dora-Mittelbau ermordet wurde. Ihm zu Ehren wurde zunächst seine ehemalige Wohnstraße, die Adelheidstraße, in Otto-Runki-Straße umbenannt.

Als diese beim Bau des Freizeitparks Rabet aufgegeben wurde, hat man den heutigen Platz unter Einbeziehung wertvoller Altbäume gartengestalterisch hergerichtet und mit einem Gedenkstein versehen. Der Stein ist längst verschwunden und nun soll auch noch der Platz bebaut werden.

Eine Schwimmhalle im Leipziger Osten ist sinnvoll und notwendig, die Stadtteilbibliothek ebenso, keine Frage. Aber warum ausgerechnet hier? Die quartiergroße Anlage mit gutem Baumbestand wirkt als grünes Fenster und bildet den Übergang zum Freizeitpark.

Warum hält die Planung krampfhaft an diesem Areal als „Bauplatz“ fest, obwohl die für die Halle ursprünglich angestrebte Funktionsstapelung perdu ist und nur eingeschossig gebaut werden wird? Warum sollen die städtebaulichen Kriterien an der Eisenbahnstraße unterlaufen werden und warum wurden vor dem Wettbewerb keine städtebaulich passenden Standorte im Umfeld geprüft?

Selbst jetzt sollte für das Projekt bei minimalem Eingriff noch ein guter Platz in der zweiten Reihe möglich sein, etwa im Bereich des früheren Ostbades. Und für die zweigeschossig geplante Bibliothek mit ihrem offenen Konzept der „Vier Räume“ ist das sanierungsbedürftige Baudenkmal an der Konradstraße mit der Wagenhalle der ehemaligen Autowerkstatt Karl Wirth ganz sicher nicht die schlechteste Option.

Heinz-Jürgen Böhme / Pro Leipzig

Entwurf für die Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz (gmk Generalplanungsgesellschaft mbH Berlin) © Leipziger Gruppe


Das denkmalgeschützte Ensemble, ehemals Wirth-Automobile, könnte zur Stadtteilbibliothek ausgebaut und damit vor dem Ruin gerettet werden © M. Liebmann


Der Otto-Runki-Platz von Südwest © M. Liebmann
Der Otto-Runki-Platz von Südost © M. Liebmann
Die Schwimmhalle passt gut an den Standort des ehemaligen Ostbades. Der überdimensionierte Parkplatz kann verkleinert, der Bolzplatz leicht um die Ecke neben den Basketballplatz versetzt werden © M. Liebmann


Rückseitig an der Hermann-Liebmann-Straße kann baulich leicht erweitert werden © M. Liebmann


Eisenbahnlegende soll wieder rollen!


Der PRO LEIPZIG e. V. unterstützt seit 2019 die SVT Görlitz gGMBH. Ziel des gemeinnützigen Unternehmens ist es, den letzten erhaltenen Schnelltriebwagenzug VT 18.16.07/10 (auch bekannt unter „Karlex“, „Vindobona“, „Neptun“ und „Berlinaren“) wieder betriebsfähig aufzuarbeiten und im Sonder- und Charterzugbetrieb langfristig wirtschaftlich zu betreiben. Die Eisenbahnlegende – auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1963 erstmals vorgestellt – soll bald wieder rollen und mit Sonderfahrten zur europäischen Verständigung beitragen. In Zusammenarbeit mit unserem Verein und der Gestalterin Renate Möller entstanden bisher eine Wanderausstellung und jüngst eine Imagebroschüre zur Unterstützung des anspruchsvollen Projektes bzw. zur Einwerbung von Fördergeldern und Spenden dafür. Schauen Sie hier:



Matthäikirchhof: Auftakt zur Bürgerbeteiligung

Am 19. April 2021 startete die Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung des Areals zwischen Runder Ecke und Richard-Wagner-Platz mit einer Online-Podiumsdiskussion. Ein Moderator leitete das Gespräch zwischen Oberbürgermeister Burkhard Jung, dem sächsischen Stasi-Unterlagen-Beauftragten Roland Jahn und Baubürgermeister Thomas Nienberg. Für alle, die es verpasst haben, hat die Stadt eine Aufzeichnung der Veranstaltung online gestellt: https://www.leipzig.de/bauen-und-wohnen/stadtentwicklung/projekte/matthaeikirchhof/beteiligungsprozess-matthaeikirchhof/ Machen Sie sich Ihr eigenes Bild.

Was PRO LEIPZIG betrifft, so wurden die von einigen Vereinsmitgliedern im Vorfeld geäußerten Bedenken im Wesentlichen bestätigt. So wie es aussieht, ist das Forum für Freiheit und Bürgerrechte als Hauptthema gesetzt und damit von der Bürgerbeteiligung ausgeklammert. Gleiches gilt für das Stasi-Unterlagen-Archiv. Wie groß die Dimensionen dieser Objekte sein werden, ist völlig offen - also auch, wieviel Restfläche jenen Bauten zugebilligt wird, für die die Bürgerinnen und Bürger nun noch Vorschläge machen dürfen. Womöglich bleibt auch der beim Großteil der Leipziger sehr ungeliebte DDR-Plattenbau zur Gänze erhalten, weil ein noch ausstehendes bauhistorisches Gutachten ihm einen Denkmalstatus verschaffen könnte. Dies würde die Gestaltungsmacht der Bürger weiter schmälern. Zudem gibt es hinsichtlich des ominösen Konzerns, den der OBM noch in der Hinterhand hat, weiterhin keine konkreten Informationen. Was bleibt da noch übrig an gestaltbarer Fläche? Immerhin können sich die Bürger bis Ende Mai auf der oben genannten Webseite an einer ersten Umfrage beteiligen und dort ihre Wünsche äußern. Am 9. Juni, 1. Juli, 9. September und 7. Oktober finden dann Workshops statt, in denen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft sowie ausgewählte Fachleute ihre Ideen und Kenntnisse einbringen werden. Zehn Leipziger Bürgerinnen und Bürger dürfen auch dabeisein, wenn sie sich bis 5. Mai angemeldet und im Losverfahren Glück gehabt haben. PRO LEIPZIG bemüht sich jedenfalls, dabei zu sein. Man sollte ja auch immer mal daran erinnern, dass die Geschichte des Ortes nicht erst 1945 begonnen hat, sondern dass dort die mittelalterlichen Ursprünge unserer Stadt zu finden sind und dass auf dem Terrain über Jahrhunderte hinweg reges kulturelles, religiöses und wirtschaftliches Leben zu finden war. Diese Tatsache kam bei der Podiumsdiskussion viel zu kurz. Es gilt jedenfalls, auf dem Areal vielfältige Themen zu setzen, damit am Ende über den musealen Gedenkort hinaus auch ein lebendiges Innenstadtviertel entsteht, das an verschüttete bürgerstädtische Traditionen anknüpft.


Die öffentliche Bürgerbeteiligung zum städtebaulichen Wettbewerb für den Matthäikirchhof startet am 19. April 2021

© Stadt Leipzig

Die Stadt Leipzig will das Zwei-Hektar-Areal des Matthäikirchhofs neu gestalten – und zwar im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt sind eingeladen, den mehrjährigen Planungsprozess intensiv zu „begleiten“. Ob die dazu anberaumte öffentliche Bürgerbeteiligung reine Begleitung bleiben wird, ist abzuwarten. Versprochen wird jedenfalls eine öffentliche Mitwirkung auch im städtebaulichen Wettbewerbsverfahren. Oberbürgermeister und Stadtverwaltung möchten auf dem Areal ein „Forum für Demokratie und Bürgerrechte“ etablieren. Dies soll ein Ort sein, an dem „über die Zukunft der Demokratie nachgedacht werden kann, um in nachhaltigen Debatten über demokratische Werte, Menschenrechte, verantwortliches gesellschaftliches Zusammenleben und persönliche Freiheit mit den Bürgerinnen und Bürgern in und außerhalb Leipzigs in Austausch zu treten.“ In diesem Zusammenhang wird auch ein Neubau entstehen, der das Zentrale Archiv für die sächsischen Staatssicherheitsunterlagen aufnimmt. Interessant wird es sicher zu erfahren, ob der städtebauliche Wettbewerb die Bestandsgebäude aus den 1980er Jahren erhalten wird. Wie sich die Verwaltung das Prozedere der öffentlichen Bürgerbeteiligung vorstellt, kann man bei der Auftaktveranstaltung am 19. April 2021 erfahren, wenn 18 Uhr - 20.30 Uhr Oberbürgermeister Burkhard Jung, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke und Baubürgermeister Thomas Dienberg im Live-Stream miteinander diskutieren. Schauen Sie doch mal rein: https://www.leipzig.de/bauen-und-wohnen/stadtentwicklung/projekte/matthaeikirchhof/beteiligungsprozess-matthaeikirchhof/

Kommentar:

Der Matthäikirchhof – als „Experimentierfläche“ zu wertvoll

Wenn jetzt grünes Licht für die bürgerschaftliche Mitwirkung bei der städtebaulichen Strukturierung des Matthäikirchhofs gegeben wird, klingt das zunächst vielversprechend. Doch eine „frühzeitige Beteiligung“ ist es mitnichten, entscheidende inhaltliche Prämissen für die Entwicklung des Areals sind längst festgelegt, und zwar ohne Einbeziehung der breiten Bürgerschaft. Hier offenbart sich ein weiteres Mal das leidige Grundproblem: Die Verwaltung ist nicht an einem freien Dialog von Projektbeginn an interessiert, sondern allenfalls an einer kontrollierten Mitsprache in Teilbereichen.  

Dass inhaltliche Setzungen von erheblicher städtebaulich-struktureller Relevanz sind und das Flair des neuen Viertels wesentlich prägen können, zeigt sich darin, dass allein das „Forum für Freiheit und Bürgerrechte“ mit dem sächsischen Stasi-Akten-Archiv nach bisherigen Verlautbarungen ein Drittel des Gesamtareals einnehmen soll.  

Apropos „Ort der gelebten Demokratie“ – was soll die Geheimniskrämerei um die „ganz große Nummer“, diesen bislang ungenannten Großkonzern, dem am Matthäikirchhof wohl ein „Filetstück“ offeriert wurde? Bereits 2014 gab es derartige Bestrebungen seitens des Bau- und Wirtschaftsdezernats. Wie weit sind die internen Verhandlungen inzwischen gediehen? Um welche Größenordnung geht es? Welche Zusagen und welche Zugeständnisse wurden gemacht? ­ Die Bürgerschaft, ja selbst der Stadtrat, wird seit Wochen im Unklaren gehalten. Die Auswirkungen einer solchen Ansiedlung, im Hinblick auf die anzustrebende lebendige Vielfalt des Viertels sowie im Hinblick auf deren bauliche Dimension, sind nicht absehbar.   

Neben der Zielstellung bezüglich des Wohnanteils, hier schwanken die Angaben von 20 bis 30 Prozent, blieb auch die Integration kultureller Bausteine bislang vage. Volkshochschule und Musikschule Johann Sebastian Bach wären gut geeignet, an kulturhistorische Fixpunkte des Neu- bzw. Matthäikirchhofs anzuknüpfen und Impulsgeber für die Herausbildung einer neuen Identität dieses besonderen Altstadtviertels zu sein – indes orientierte die Verwaltung nun darauf, beide Einrichtungen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz anzusiedeln.  

Pro Leipzig e.V. als engagierter Vertreter der Bürgerschaft kann daher nur nachdrücklich dafür plädieren, den Matthäikirchhof nicht monothematisch auszurichten, sondern auch als „Ort gelebter Kultur“ zu betrachten.  

Heinz-Jürgen Böhme / Pro Leipzig


Bürgerschaftliches Engagement und Stadtforschung – 30 Jahre PRO LEIPZIG

Vor 30 Jahren, am 21. Februar 1991, trafen sich im damaligen Gasthaus Goldene Krone in Connewitz einige engagierte Bürgerinnen und Bürger, „getragen vom gemeinsamen Anliegen, dass die zukünftige Entwicklung Leipzigs nur aus einer der Stadt eigenen, über Jahrhunderte gewachsenen Identität heraus erfolgen kann“. Mit einem zuvor verfassten Appell „Pro Leipzig“ wandten sie sich an die Öffentlichkeit und brachten mit dieser Initiative den später gegründeten Verein und seine vielfältigen Aktivitäten auf das Gleis.

In seinen Kernaussagen war der Appell ein Plädoyer für eine behutsame Stadterneuerung unter Beibehaltung bzw. Weiterentwicklung der Ortstypik, für ein Gesamtkonzept zur Stadtentwicklung und für die Einbeziehung der Bürgerschaft dabei.

Pro Leipzig ist in den letzten 30 Jahren den in dem Appell gestellten Forderungen und den daraus abgeleiteten Arbeitsschwerpunkten treu geblieben. Sie äußern sich u. a. in einer umfassenden Stadt- und Regionalforschung, in der Hinwendung zu kleinteiligen Strukturen wie Stadtteilen, in der Förderung der Erlebbarkeit von Stadt und Region und in der permanenten Einforderung von transparenter, ergebnisoffener Bürgerbeteiligung.

  • 1990, Plakat Ausstellung Pro Leipzig
  • 1990 Ausstellung Pro Leipzig
  • 1992, Erste Waldstraßenhefte, Thomas Nabert
  • 1992, Plakat Ausstellung Bürger gestalten ihre Stadt
  • 1992, Ausstellung Bürger gestalten ihre Stadt
  • 1992, Protestveranstaltung während Bürger gestalten ihre Stadt, Bernd Sikora
  • 1995, fachliche Diskussion zu Neubauten in Leipzig (Gormsen, Böhme, Nabert, Grimmann_Vors. Architektenkammer, Stephan Riedel, Bodo von Essen.peg
  • 1997, Ausstellung Mölbis, Nabert, vorn v.r. Steinbach, Umweltmin. Weise
  • 1998, erste Wasserwanderkarte
  • 2001, Quer durch Leipzig mit dem Rad
  • 2004, Sportforum Leipzig, v.r. Peter Ducke, Klaus Ampler
  • 2005, Protest gegen Abriss Kleine Funkenburg
  • 2007, Reporter des Alltags, Lange, Nabert, Andreas Mai, Karl Detlef Mai
  • 2007, Waldemar Cierpinski u. a., Aktiv durch Leipzig
  • 2009, Der Sachsenradler, Gunter Böhnke signiert


Nach 30 Jahren ließe sich eine umfassende Vereinschronik füllen, doch für diese Arbeit fehlte bisher die Zeit. Inhalte wären etwa die Geschichten von über 350 erarbeiteten und herausgegebenen Publikationen zu Themen der Stadt und ihres Umlandes, darunter das Stadtlexikon Leipzig von A bis Z, Stadtteillexika, Stadtteilstudien, Führer für Wanderer, Radler, Paddler und sonstige Ausflügler in Leipzig und ins Umland, Bildbände und vieles mehr. Vor allem über diese Publikationen und Ausstellungen wie „Bürger gestalten ihre Stadt“ oder das „Industrie- und Umweltgeschichtliches Informationszentrum Mölbis“ wurde und wird die Vereinsarbeit in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Der Verein forscht und dokumentiert aber auch auf anderen Ebenen, so etwa zu denkmalpflegerischen Zielstellungen für stadtbildprägende Bauten (u. a. Zentralstadion), leistet Provenienzforschungen zu Kleindenkmalen, erarbeitet Studien und Fotodokumentationen zu den Leipziger Stadtteilen und stößt gern auch nachhaltige Entwicklungen an wie den Elster-Saale-Radweg oder die Wasserwanderkarte für Leipzig und Umgebung. Wer mehr zur Geschichte und zu den Anfängen des Projekts PRO LEIPZIG erfahren möchte, kann weitere interessante Details in der hier verlinkten PDF erfahren:

 


Inzwischen sind viele der frühen Akteure nicht mehr aktiv dabei, haben andere das Heft des Handelns weitergetragen. Nichtsdestotrotz sucht PRO LEIPZIG, wie andere Bürgervereine auch, neue Mitstreiter: Menschen, die ehrenamtlich wirken wollen, neue Ideen, moderne (auch technische) Kenntnisse und Fähigkeiten, jugendliche Energie und frischen Wind einbringen – und solcherart die verbliebenen Pro-Leipzig-Mitglieder tatkräftig unterstützen. Unabhängig davon sind natürlich auch Projektförderungen oder Spenden hilfreich, um unsere Arbeit erfolgreich fortsetzen zu können - damit diese, unsere Institution bürgerschaftlichen und stadthistorischen Engagements zum Wohle der Stadt auch die nächsten Jahrzehnte erhalten bleibt.


Festtagsgrüße

Kein Glühwein, kein Schlittschuhlauf auf der Pleiße, kein Wald-Café – trotz alledem finden wir unser neues Domizil in Connewitz sehr angenehm. Wir wünschen allen Mitgliedern und Freunden von PRO LEIPZIG ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Winterfreuden um 1900 © Pro Leipzig


Bis zum 04.01.2021 wird unser Büro nur hin und wieder sporadisch besetzt sein, um Ihre per E-Mail oder Webshop getätigten Buchbestellungen zu versenden. Wir hoffen, Sie im neuen Jahr bei bester Gesundheit wiedersehen zu können!


Ein schönes Weihnachtsgeschenk: Jahreskalender der Fotothek Mai bei PRO LEIPZIG

Seit nunmehr vier Jahrzehnten verantwortet und betreibt unser Vereinsmitglied Karl Detlef Mai die "Fotothek Mai Leipzig", in der er nicht nur den fotografischen Nachlass seines berühmten Vaters Karl Heinz Mai verwaltet und öffentlichkeitswirksam präsentiert, sondern auch eigene, aktuelle Fotografien zur baulichen Entwicklung Leipzigs und des Neuseenlandes drumherum feilbietet. Ein schönes Porträt zu Vater und Sohn Mai ist derzeit in der ARD-Mediathek anzuschauen: "Perspektivwechsel - Das Erbe des Karl Heinz Mai" des MDR-Autoren Arndt Ginzel. Beim Lehmstedt-Verlag ist zuletzt auch der empfehlenswerte Bildband "Karl Heinz Mai - Reporter auf drei Rädern" erschienen, für dessen Konzeption Karl Detlef Mai verantwortlich zeichnete. Einige Bilder dieser Serie präsentiert er auch auf einem Jahreskalender 2021. Diesen und zwei andere Kalender bietet PRO LEIPZIG in seinen Räumlichkeiten im Haus der Demokratie nunmehr zum Verkauf an: "Reporter auf drei Rädern", "Jubiläumsausgabe - Alltagsbilder" sowie den Alljahreskalender "Wie Kinder von früher", der nicht Tage und Wochen aufführt, sondern nur die Monate - als solcher aber zeit- und endlos genutzt werden kann. Alle drei Kalender bieten eindrucksvolle Alltagsszenen aus den 1950er Jahren, machen das Leipzig von vor 70 Jahren wieder präsent. Die Kalender in A4-Größe kosten jeweils 19,90 Euro und sind zu den Öffnungszeiten unseres Büros erwerbbar.

 

 



Übergabezeremonie des restaurierten Gefallenendenkmals Knauthain am 5. November 2020 abgesagt

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden in fast allen Dörfern und Städten Deutschlands zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten des Krieges Denkmale errichtet. Auch die Gemeindeverordneten von Knauthain beschlossen am 20.7.1925, ein solches Denkmal zu errichten. Am 25.4.1926 wurde es unter großer Anteilnahme der Knauthainer Bürger und Bürgerinnen eingeweiht, die auch fleißig mit Spenden zur Errichtung desselben beigetragen hatten. Im Jahr 2020 wurde das Denkmal mit Mitteln der Denkmalförderung des Freistaates Sachsen, der Stadt Leipzig sowie Spenden von Bürgerinnen und Bürgern umfassend saniert. Pro-Leipzig-Vereinsvorstand Michael Liebmann hat dafür im Auftrag des Leipziger Kulturamtes im Stadtarchiv die verblichenen und nicht mehr leserlichen Namenslisten am Denkmal neu recherchiert. Die Namen der Gefallenen sind nunmehr wieder auf zwei Tafeln am authentischen Ort zu sehen. Zusätzlich klärt eine neue Informationstafel über die Geschichte des Denkmals auf. Das Leipziger Kulturamt hat das restaurierte Denkmal am 5. November 2020 um 11 Uhr in einem feierlichen Akt übergeben wollen. Aufgrund der am 2.11.2020 in Kraft tretenden neuen Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie ist dieser Termin leider abgesagt worden. Nichtsdestotrotz freuen sich alle Beteiligten, der Öffentlichkeit das Denkmal nunmehr in neuer Anmutung präsentieren zu können.

Denkmalsweihe 1926 © Pro Leipzig


Restauriertes Denkmal 2020 © Kulturamt Leipzig




Buchvorstellung der Autorin Constanze Arndt am 20. Oktober 2020

Constanze Arndt und Thomas Nabert

Es hatte sich eine ordentliche Zahl Gäste eingefunden, als am Dienstag, den 20. Oktober, unsere Autorin Constanze Arndt in der Leipziger Niederlassung von Farben-Schultze ihr Buch "Historische Ornamentschablonen aus Leipziger Wohngebäuden" vorstellte. PRO LEIPZIG hat das voluminöse und eindrucksvolle Werk herausgegeben, weshalb selbstverständlich auch das dafür verantwortliche Vereinsmitglied, unser Geschäftsführer Dr. Thomas Nabert, an dieser Veranstaltung teilgenommen hat. Das interessierte Publikum zeigte sich sehr angetan von der jahrelangen, fleißigen Sammelarbeit der Restauratorin Arndt und der detailreichen und farbenfrohen Umsetzung in Buchform, für die die Grafikdesignerin ebenfalls verantwortlich zeichnete. Diese neue Publikation ist nicht nur für Fachleute interessant. Die darin vorgestellten großflächigen Dekorationsmalerein erfreuen jeden, der sich für Wohnraumgestaltung und handwerkliche Alltagskultur erwärmen kann.


Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag!

Am 5. September 2020 schaut unser langjähriges Vorstandsmitglied, Dr. Ulrich Baumgärtel, auf 75 Lebensjahre zurück. Die übrigen Vereinsmitglieder gratulieren dem Jubilar auf das Herzlichste, wünschen ihm viel Schaffenskraft und vor allem Gesundheit! Wir bedanken uns für viele Jahre fleißigen Engagements für PRO LEIPZIG. Möge uns Deine feine, freundliche Art und Dein großer Erfahrungsschatz noch lange erhalten bleiben!


Unsere Fotokünstler_innen Konstanze Göbel und Harald Kirschner stellen aus: Metamorphosen

"Metamorphosen. Industriekultur im Wandel" heißt eine neue Ausstellung, die vom 24.9.20 bis 03.01.21 in der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig, Otto-Schill-Straße 4a, zu sehen sein wird. 250 Fotografien von sechs Leipziger Fotograf_innen - neben Bernd Cramer, Christiane Eisler, Gerhard Gäbler und Sieghard Liebe auch unsere Vereinsmitglieder Konstanze Göbel und Harald Kirschner  - zeigen den Wandel des Industriestandortes Leipzig und der Umgebung. Die Werkschau zeigt die tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte und deren Auswirkungen auf die Menschen. Spannung entsteht, indem Arbeiten der letzten 30 Jahre Aufnahmen von heute gegenübergestellt werden. Die Themen orientieren sich dabei an den Arbeitsschwerpunkten der einzelnen Fotograf_innen: die Bergbaufolgelandschaft, die metallverarbeitende Autoindustrie, die Biotechnologie, die Bau- und Textilindustrie.


Publikation zu Sellerhausen-Stünz des Fördervereins Denkmal Emmauskirche bei PRO LEIPZIG erhältlich

Seit dem 12.07.2020 ist ein vom Förderverein Denkmal Emmauskirche Leipzig e.V. erarbeitetes Buch mit ausgewählten Bildern, Fotografien und Stadtteilansichten käuflich zu erwerben. Erstmals werden zahlreiche historische und aktuelle Bilder von Sellerhausen und Stünz veröffentlicht, unterlegt mit sorgsam recherchierten Texten zur Stadtteilentwicklung von über 100 Jahren. Auf 264 Seiten mit über 500 Bildern laden Spazierrunden zum Selbstentdecken ein und bringen für Hinzugezogene sowie Alteingesessene Neues und Erstaunliches hervor. Tatkräftige Unterstützung erhielt der Förderverein durch den Bürgerverein Sellerhausen-Stünz e.V., der auch als Mitherausgeber fungiert. Die gemeinsame Veröffentlichung ist Ausdruck eines vernetzen Engagements für Sellerhausen-Stünz und mit der Hoffnung verbunden, die Wahrnehmung Stadtteils bei seinen Bewohnern zu vertiefen. Zudem stellt das Buch ein gelungenes Beispiel des kulturellen Schaffens beider Vereine für einen attraktiven und lebenswerten Stadtteil dar. Auch PRO LEIPZIG möchte das Projekt unterstützen und bietet das Buch für die anderen Vereine an seinem Vereinssitz im Haus der Demokratie zum Verkauf an. In einer begrenzten Auflage von 500 Exemplaren kann eine Ausgabe für 19,90 € erworben werden. Natürlich ist die Publikation auch bei den beiden Vereinen selbst erhältlich.



Pressemeldungen zum Umzug des Vereins und zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Corona-Lockdown-Zeit

Am 5. Mai 2020 titelte die Leipziger Volkszeitung: "Verein Pro Leipzig ist umgezogen. Neustart in Leipzig-Connewitz". Grundlage des Artikels war ein Interview, das Geschäftsführer Dr. Thomas Nabert und Vorstand Michael Liebmann der LVZ einige Tage zuvor in den neuen Räumlichkeiten im Haus der Demokratie gegeben hatten. Über den Umzug und die aktuellen Vereinsziele hinaus wurden auch die Schwierigkeiten des Vereins angesprochen, dessen Antrag auf Corona-Soforthife abgelehnt worden war und der wegen ausgefallener Buchmesse, geschlossener Buchläden und des zwischenzeitlichen Publikumsverbots im Büro seine Bücher nicht mehr veräußern konnte und wirtschaftlich in existentielle Nöte geriet. Über den Überlebenskampf zwangsgeschlossener Buchläden hatte schon Ralf Julke von der Leipziger Internetzeitung in einem Artikel vom 25. März 2020 hingewiesen: "Bücher kaufen im Webshop der Lieblingsbuchhandlung oder Gutscheine für die Zeit nach Corona", der dankenswerterweise auch ausführlich auf unseren Verein eingegangen ist. Über diese Solidarität und mancherlei verbalen Zuspruch haben wir uns sehr gefreut. Unser Widerspruch gegen den abgelehnten Soforthilfe-Antrag war übrigens erfolgreich. So können wir trotz enormer Einschränkungen unsere Vereinsarbeit vorerst fortsetzen.


Besuche bei PRO LEIPZIG wieder möglich!.

Seit dem 20. April 2020 sind laut Verordnung des Freistaates Sachsen die Buchläden des Bundeslandes wieder geöffnet. Auch wenn unser Vereinsbüro streng genommen kein solcher ist, haben wir uns an eben diesen Buchläden orientiert, was die Beschränkungen des Publikumsverkehrs betraf. Schließlich bieten wir in unseren Räumlichkeiten ja unsere Selbstpublikationen zur Einsicht und zum Verkauf an. Nunmehr ist es uns also auch gestattet, zu unseren regulären Öffnungszeiten wieder Besucher zu empfangen. Die per Verordnung festgelegten Vorsichtsmaßnahmen gelten dabei auch für uns: Besucher sollten eine bitte eine Maske tragen. Den nötigen Abstand von 1,5 - 2 Metern einzuhalten, ist bei uns kein Problem: Es wird immer nur ein Gast in die Räume eingelassen. Sollten mehrere Besucher zugleich ankommen, steht vor dem Büro eine bequeme Wartebank bereit. Für die nötige Desinfektion der Örtlichkeiten ist gesorgt. Wir freuen uns, Sie wieder in unseren Vereinsräumen begrüßen zu dürfen!


Reguläre Bürozeiten während der Corona-Krise - auch ohne Publikumsverkehr

Ab Donnerstag, den 18. März 2020, werden auf behördliche Anweisung für unabsehbare Zeit alle nicht-systemrelevanten Verkaufsgeschäfte geschlossen. Dazu zählen auch die Buchläden dieser Stadt. Auch wenn diese drastische Maßnahme gesundheitspolitisch indiziert sein mag: Für unseren Verein ist dies - nach Absage der Buchmesse - finanziell ein weiterer schwerer Schlag. Da PRO LEIPZIG jenseits der kleinen Steuerermäßigungen, die jeder gemeinnützige Verein erhält, keine öffentliche Förderung erhält und seine Vereinstätigkeit über den Verkauf von Eigenpublikationen finanzieren muss, fallen die fehlenden Buchverkäufe schwer ins Kontor. Trotz der wegbrechenden Einnahmen müssen wir ja weiterhin die laufenden Fixkosten bezahlen (Büromiete, Kommunikationsmittel etc.). Wir hoffen deshalb, dass uns die Freunde und Kunden weiterhin unterstützen, indem sie unsere Publikationen telefonisch oder online direkt beim Verein käuflich erwerben. PRO LEIPZIG wird das Büro in der Bernhard-Göring-Straße 152 trotz ausbleibenden Publikumsverkehrs weiterhin zu den üblichen Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag besetzt halten. So stehen wir als Ansprechpartner telefonisch zu Vereinsfragen bereit, aber auch zur Aufnahme von mündlichen Bestellungen. Sie können unsere Publikationen natürlich auch weiterhin per E-Mail oder über unseren Webshop ordern. Wir senden sie Ihnen dann mit der Post zu. Bitte unterstützen Sie uns weiterhin und helfen Sie, das Überleben des Bürgervereins über die Krisenzeit hinweg abzusichern - damit der Stadt eine wichtige Stimme bürgerschaftlichen Engagements erhalten bleibt. Und vor allem: Bleiben Sie gesund!


Lieber Mitglieder und Freunde von Pro Leipzig,

seit dem 1. März 2020 empfängt der Verein im Haus der Demokratie, Raum 201 (Büro) und Raum 204 (Galerie) unsere Mitstreiter, Freunde und Gäste. Die Mailadresse proleipzig@t-online.de bleibt. Neben der neuen Telefonnummer 306 52 00 sind wir weiter auch unter den alten Nummern 980 18 04 und 980 18 94 (Fax) zu erreichen. Am 2. März haben wir unsere alten Räume in der Waldstraße 19 übergeben. Viele Wochen harter Arbeit liegen hinter uns und nun ist allen, die mitgeholfen und mitgefiebert haben, herzlich zu danken.

Leere Räume in der Waldstraße 19

Der Umzug war nicht allein ein Standortwechsel, sondern gleichzeitig eine umfassende „Runderneuerung“ von Pro Leipzig. Nach fast drei Jahrzehnten Vereinsarbeit mit hunderten von Projekten und ca. 370 Veröffentlichungen hatte sich eine Menge angesammelt. Wegen des geringeren Platzes im neuen Domizil galt es ordentlich auszusortieren und neu zu sortieren. Dabei wurden alle wichtigen historischen Bestände (u. a. Projektunterlagen, Verträge, Schriftverkehr, Werbematerialien, Pressemitteilungen) bereits mit Blick auf eine spätere Archivierung geordnet. Es werden allerdings noch einige Wochen Arbeit an diesen Beständen nötig sein.

Bei laufendem Umzug und Renovierung der alten Räume – wir hatten Glück, dass uns im Haus der Demokratie die neuen Räume bereits ab Ende Januar offen standen – lief der Bürobetrieb (u. a. Buchversand und Belieferung der Buchhandlungen) ohne Unterbrechungen weiter. Gleichzeitig wurden etwa 1,5 TB Daten von CDs auf Festplatten gespeichert (Micha), die Arbeitsrechner aufgerüstet und programmtechnisch neu aufgesetzt (Uli) und alle lieferbaren (eingeschweißten) Titel im Außenlager Franz-Flemming-Straße konzentriert. Nach Sortierung der Bestände auf Paletten und in Regalen ist die Firma Verpackungsservice Seifarth nun in der Lage, große Teile unseres Bücherversandes direkt vom Außenlager aus zu übernehmen. Konstanze hat damit begonnen, unser mehrere tausend Aufnahmen (Handabzüge, Dias) umfassendes Fotoarchiv zu sortieren und z. T. neu zu ordnen.

Zimmer 201 im HdDL - das neue Büro

Zum ersten Arbeitstag am 3. März in den neuen Räumen war das Büro bis auf wenige Restbestände bereits vollständig aufgeräumt und arbeitsfähig. Auch unser neues kleines „Juwel“, die Galerie im Raum 204 – wir haben praktisch erstmals eine kleine Buchhandlung mit allen ca. 230 z. Z. lieferbaren Titeln von Pro Leipzig –, war komplett eingeräumt und kann fortan Besucher zum Stöbern und Kaufen empfangen. Zusätzlich im Angebot haben wir nun auch die Publikationen des Vereins Neue Ufer, der sich leider zum Ende des Jahres 2019 aufgelöst hat.

Da wir die Kosten für einen gewerbsmäßig organisierten Umzug und eine gewerbsmäßige Renovierung der alten Räume von über 10 000 Euro unmöglich mit den finanziellen Möglichkeiten des Vereins tragen konnten, war uns schon Ende letzten Jahres klar, dass wir alles in eigener Regie stemmen müssen. Über das Ausmaß der Arbeiten und die erforderlichen Kraftanstrengungen waren wir am Ende selbst überrascht, sind nun aber umso glücklicher, es gemeinsam geschafft zu haben. Peter war mit seinem Caddy unter Aufbringung aller Kräfte und trotz langwieriger Erkältung stets da, wenn es Bücher, Kisten, Archivbestände oder Müll zu transportieren gab. Martin hat dreimal mit einem größeren Transporter beachtliche Schübe in Richtung Außenlager, Sperrmüllplatz und Haus der Demokratie unternommen. Sportfreund Horst unternahm den ersten großen Transport ins Haus der Demokratie mit allen Regalteilen und Stapeln von Umzugskisten. Thomas‘ kleiner Golf hatte darüber hinaus nahezu jeden Tag in den letzten Wochen ordentlich zu transportieren. Wie überhaupt, Thomas von allen die meiste Zeit und Arbeit in den Umzug investiert hat. Dass die ausgeklügelte Logistik, eins nach dem anderem, – bei laufendem Betrieb – so gut geklappt hat, ist seinen Vorüberlegungen zu verdanken. Beim Aufbau der Regale half sein Schwiegervater Eberhard mit.

Zimmer 204 im HdDL - die neue Galerie ...

An dieser Stelle sei erwähnt, dass keine Möbel neu gekauft wurden. Die meisten Stücke wechselten – in einem guten Zustand – ins neue Büro. Andere gingen für kleines Geld in andere Hände. Trotz der genannten Transportmittel blieb reichlich zu schleppen. Bücher sind nicht nur ein Segen, sondern – in hoher Stückzahl zu transportieren – auch ein Fluch. Neben Thomas‘ Einsätzen zur Einräumung des Büros, der Galerie und des Außenlagers konnten vor allem Micha und Peter dahingehend mehr Erfahrungen sammeln, als ihren Rücken zumutbar war. Martin hat die Lasten in hoch konzentrierter Form in drei Einsätzen ertragen müssen und auch Katharina hat an drei Tagen mit zugegriffen. Frau Bachmann hat ihre Tatkraft und ihren Jeep für einige Buchtransporte beigesteuert. Zum Glück hatten wir auch an zwei Tagen internationale Hilfe von jungen Männern, die 2015 als Minderjährige aus Afghanistan gekommen waren. Diese haben – zur Freude der zeitweise nicht mehr ganz aufrecht laufenden älteren Mitstreiter – noch nach ihrem eigentlichen Arbeitstag und anstatt ihres Feierabends kräftig mit angepackt und viel transportiert. Nebenher haben wir einiges über ihr Schicksal erfahren. Erwähnt sei noch, dass Sportfreund Andreas unsere alten Räume in der Waldstraße innerhalb weniger Tage für einen erträglichen Preis renoviert hat. Micha und Elli haben vorher alles abgeklebt, was sauber bleiben sollte. Lediglich die Sanierung des an manchen Stellen nicht mehr salonfähigen Parketts mussten wir dem Vermieter zu dessen Kosten überlassen, was dieser aber sicherlich mit einer kräftigen Anhebung der neuen Miete kompensieren wird.

... dort liegen alle erwerbbaren Publikationen zur Einsicht bereit

Etwas Wehmut war am Ende schon da, als wir nach 21 Jahren die Räume und Schlüssel in der Waldstraße übergeben haben. Viele schöne Erinnerungen, Erlebnisse und Erfolge nehmen wir mit. Nun freuen wir uns auf das neue Domizil mit viel Laufkundschaft, auf viele neue Nachbarn – darunter u. a. das Archiv Bürgerbewegung, die Leipziger Internetzeitung oder der „Ökolöwe“, mit denen wir seit Jahrzehnten schon eng zusammenarbeiten –, auf unsere Stammkundschaft und auf viele neue Besucher. Unsere Räume sind jetzt behindertengerecht und bequem mit dem Fahrstuhl oder sportlich über das Treppenhaus zu erreichen. Allen oben genannten ist für ihre Unterstützung zu danken.

Pro Leipzig ist wegen der Veränderungen und einer deutlich geringeren Miete gut gerüstet für kommende Aufgaben und Projekte. Alle sind herzlich eingeladen, uns in den neuen Räumlichkeiten zu den Öffnungszeiten (Di 10–14 Uhr, Do 13–17 Uhr) zu besuchen.



Leipziger Buchmesse 2020 abgesagt

Quelle: Buchmesse Leipzig

An dieser Stelle hätte normalerweise die Mitteilung stehen sollen, dass PRO LEIPZIG wie jedes Jahr einen Präsentationsstand auf der Leipziger Buchmesses betreibt, an dem unsere Vereinsmitglieder mit Besuchern, Autoren und anderen Ausstellern ins Gespräch kommen und unsere Vereinsarbeit sowie Eigenpublikationen vorstellen können. Gestern, am 4.3.2020, verkündete nun Oliver Zille, der Direktor der Leipziger Buchmesse, dass die Veranstaltung wegen der aktuellen Coronavirus-Gefahr abgesagt ist: "Die Entscheidung hat die Leipziger Messe gemeinsam mit der Stadt Leipzig in enger Absprache getroffen und wird von allen Beteiligten sehr bedauert. Das Gesundheitsamt Leipzig folgte der Aufforderung des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums, wonach eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein muss. Es verfügte u.a., dass jeder Messeteilnehmer schriftlich belegen müsse, nicht aus definierten Risikogebieten zu stammen oder Kontakt zu Personen aus Risikogebieten gehabt zu haben. Das ist angesichts von rund 2.500 Ausstellern und rund 280.000 erwarteter Besucher nicht sicherzustellen. Die Gesundheit unserer Aussteller, Besucher, Gäste, Partner und Mitarbeiter steht für uns an erster Stelle. Die Stadt Leipzig und die Leipziger Messe haben sich daher für die Absage entschieden." PRO LEIPZIG findet die Absage sehr bedauerlich, ist die Messe doch ein jährliches Highlight im Vereinsleben, wo man auch über die Grenzen der Stadt hinaus über die Arbeit des Bürgervereins informieren kann. Es ist auch quasi der einzige Zeitpunkt, an dem unsere Autoren von den Lesern eine Rückmeldung zu ihren Büchern erhalten können. Nichtsdestotrotz liegt uns die Gesundheit der Gäste und unserer Vereinsmitglieder am Herzen und wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist. Inwieweit der Verein bereits getätigte finanzielle Aufwendungen erstattet bekommt, ist noch offen. Ein Verlust an Mitteln und Arbeitszeit ist schon jetzt zu konstatieren, existentiell bedrohlich wird es aber nicht. Wir hoffen, dass es im nächsten Jahr mit der Buchmesse weitergeht und wir uns dann am PRO-LEIPZIG-Stand wiedersehen.


Eingeschränkter Betriebsablauf bis 29. Februar 2020

Werte potentielle Besucher! Wegen unseres Umzuges ins Haus der Demokratie können wir unseren Service im Büro Waldstraße 19 nicht mehr im vollen Umfang aufrechterhalten. Tausende Bücher, Möbel, Kommunikationstechnik müssen von A nach B transportiert werden. Von Tag zu Tag liegen in den alten Räumlichkeiten weniger Publikationen zur Einsicht und zum Erwerb bereit. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir am Dienstag, den 25.2.2020 nur noch Restbestände vorhalten können und dass am Donnerstag, den 27.2.2020, das Büro zu den regulären Öffnungszeiten ganz geschlossen bleibt. Onlinebestellungen werden aber, wie gewohnt, bearbeitet. Am Dienstag, den 3.3.2020 öffnen wir dann erstmals unsere Räume im Haus der Demokratie für den Publikumsverkehr. Wir freuen uns auf Sie!


Pro Leipzig zieht um! Ab 1. März 2020 finden Sie uns im Haus der Demokratie in Connewitz!

Derzeit befindet sich PRO LEIPZIG im Umzugsmodus: Kisten werden gepackt, Bücher geschleppt, das Außenlager erweitert, Räume gemalert, Schränke gerückt, das Bildarchiv neu geordnet. Wir ziehen um. Nach 21 Jahren verlassen wir die Büroräume in der Waldstraße 19 und ziehen dahin, wo ein Bürgerverein, der sich von Anbeginn seines Bestehens für Demokratie und bürgerschaftliches Engagement einsetzt, genau richtig ist - ins "Haus der Demokratie Leipzig". Ab 1. März finden Sie unser Büro unter folgender Adresse:

PRO LEIPZIG e.V., Haus der Demokratie Leipzig, Räume 201 und 204, Bernhard-Göring-Straße 152, 04277 Leipzig

Wenige Fußminuten vom Connewitzer Kreuz entfernt beziehen wir Büroräume im ehemaligen, 1903 eröffneten, Städtischen Waisenhaus. Dieses Gebäude, 1902 vom Architekten Otto Wilhelm Scharenberg entworfen, diente 1928-1932 als Lehrlingsheim und 1932-1943 als Kinderheim, ehe es im Zweiten Weltkrieg durch Bombenschäden zu 70 % zerstört wurde. 1952 vom "Konstruktions- und Ingenieurbüro Chemie" notdürftig wiederhergestellt und bis 1982 von Projektanten der Bau- und Maschinentechnik genutzt, ist es 1982/83 rekonstruiert und anschließend der SED-Stadtleitung überantwortet worden. Nur sechs Jahre später, im Zuge der Friedlichen Revolution 1989, fanden dort "Runde Tische" statt, empfahl sich das Haus als Standort bürgerschaftlichen Engagements. Am 2.1.1990 gab die SED/PDS das Haus der Stadt Leipzig offiziell zurück, woraufhin dort etliche Bürgervereine und politische Organisationen ansässig wurden. Am 19.12.1990 gründete sich der Verein "Haus der Demokratie e.V.", zu dessen Zielen die Bildung und Erziehung sowie die Förderung von Kunst und Kultur zählen. Damit ist PRO LEIPZIG e.V. an diesem Ort genau richtig. Für Freunde, Förderer und Kundschaft von PRO LEIPZIG ändert sich nur der Ort, nicht aber unser Service. Zu den gewohnten Öffnungszeiten Dienstag und Donnerstag ist unser Büro besetzt, stehen wir den Leipziger Bürgern für ihre Anliegen zur Verfügung, können Sie wie gewohnt unsere im Selbstverlag produzierten Publikationen erwerben. Wir freuen uns auf Ihren Besuch in den neuen Räumlichkeiten!

Das Städtische Waisenhaus kurz nach Eröffnung 1903
Das Haus der Demokratie 2009 (Foto: Wikipedia)



Regelung zum Anwohnerparken im Waldstraßenviertel setzt völlig falsche Zeichen

Unser Büro in der Waldstraße 19

Die Mitglieder des Pro Leipzig e. V. haben sich auf ihrer Mitgliederversammlung Ende 2019 deutlich gegen die Regelung zum Anwohnerparken im Waldstraßenviertel ausgesprochen. Hauptgrund ist die Tatsache, dass diese den einstigen Entwicklungszielen des Viertels widerspricht. Das Waldstraßenviertel war nach 1990 eines der ersten Stadtgebiete Leipzigs, welches eine umfassende Rettung und Sanierung erfuhr. Vor allem private Investoren, unterstützt mit öffentlichen Fördergeldern, und Investitionen der Kommune, des Landes und des Bundes in den öffentlichen Raum hatten daran ihren Anteil. Neben dem Erhalt der wertvollen Denkmalsubstanz war es oberstes Ziel der Bemühungen, die Lebendigkeit und Angebotsvielfalt des Viertels in Form von Geschäften, Dienstleistern, Handwerkern, Kneipen, Ärzten usw. zu erhalten und kein beruhigtes Schlafviertel für Besserverdienende entstehen zu lassen. Der Verein Pro Leipzig hatte diese Bemühungen intensiv begleitet und mit der Herausgabe der Waldstraßenhefte (1992 bis 2004) eine entsprechende Öffentlichkeit geschaffen. 1994 erhielt die Stadt Leipzig für ihre Strategie zum Erhalt des Waldstraßenviertels beim Bundeswettbewerb vom Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau immerhin eine Goldmedaille und befand sich auf dem richtigen Weg. 

Wenn in der gegenwärtigen Diskussion um das Anwohnerparken im Waldstraßenviertel Dienstleister, Gastronomen, Ärzte und andere Freiberufler, Bäcker oder andere Gewerbetreibende um die für ihre Existenz notwendigen Parkscheine betteln müssen und damit als Mieter 2. Klasse behandelt werden, dann ist das nicht nur beschämend, sondern deutet auch darauf hin, dass sich die Stadtverwaltung von den einstigen Entwicklungszielen für das Viertel verabschiedet hat. 

Die Regelungen zum Anwohnerparken widerstreben auch einer Reihe weiterer moderner europäischer Stadtentwicklungsziele, z. B. der Verkehrsvermeidung. Durchmischte Viertel mit vielfältigsten Angeboten für Alltag und Beschäftigung bieten kurze Wege. Das Auto ist hier deutlich weniger erforderlich als im ländlichen Raum. Wenn nun Dienstleister, Gewerbetreibende oder Ärzte das Viertel – wie bereits angekündigt – wegen verweigerter Parkmöglichkeiten verlassen müssen, dann werden vor allem neue Wege und zusätzlicher Autoverkehr geschaffen.

Andererseits bietet das Waldstraßenviertel wie kein weiterer Stadtteil in Leipzig die Möglichkeit für Bewohner, gänzlich auf ein eigenes Auto bzw. auf den Zweitwagen zu verzichten. Fußläufige kurze Verbindungen sowohl in die Innenstadt, in den Kindergarten, zum Hauptbahnhof als auch ins Grüne sind hier ebenso vorhanden wie eine kleinteilige Erschließung durch die Straßenbahn und Angebote zum Leihen von Autos. Eine zunehmende Zahl junger Familien richtet unter diesen Bedingungen ihren Alltag bereits ohne eigenes Auto ein. Der Anstoß für diesen Schritt ist nicht selten – wie etwa in Schleußig – ein hoffnungslos zugeparkter Straßenraum. Das derzeitige Modell des Anwohnerparkens im Waldstraßenviertel sendet mit der verbrieften Garantie auf einen Parkplatz dahingehend falsche Signale. 

Ein wirkliches Problem besteht im Viertel aus Sicht des Pro Leipzig e.V. vor allem durch sogenannte Fremdparker, die ihr Auto gern vor allem im südlichen und östlichen Teil des Viertels kostenfrei abstellen möchten, weil sie einer nahegelegenen Arbeit in der City nachgehen oder die Angebote der Innenstadt nutzen wollen. Das Anwohnerparken wird möglicherweise den Großteil dieser Parker verdrängen, allerdings nur in andere nahegelegene Stadtgebiete. Dieses Problem wird nicht durch Verbote zu lösen sein, sondern ausschließlich durch Angebote. Neben der Verbesserung der Angebote des öffentlichen Nahverkehrs und weiterer park & ride-Möglichkeiten an den Stadträndern sieht Pro Leipzig vor allem im Bau separater Radwegeverbindungen, die die Stadt radial und tangential erschließen, einen Ausweg. Gerade auf letztgenanntem Gebiet hat die Stadtpolitik nach Ansicht des Vereins in den letzten Jahren viel zu wenig unternommen und dabei die Zeichen der Zeit regelrecht verschlafen.  

 Dr. Thomas Nabert und Bernd Sikora

PS: Die Leipziger Volkszeitung berichtete am Mittwoch, den 29. Januar 2020, über die Einlassungen unserer Vereinsmitglieder:

https://www.lvz.de/Leipzig/Stadtpolitik/Verein-Pro-Leipzig-Stadt-verabschiedet-sich-von-Entwicklungszielen


Frohe Weihnachten!


Der Vorstand vom PRO LEIPZIG e.V. bedankt sich recht herzlich für die fleißige Arbeit, die unser Geschäftsführer Dr. Thomas Nabert, darüber hinaus aber auch andere emsige Vereinsmitglieder, im Jahr 2019 hinsichtlich  Publikationserstellung, bürgerschaftlichem Engagement und alltäglicher Büroorganisation geleistet haben.

Den Mitgliedern und Freunden von PRO LEIPZIG sowie allen Bürgern dieser Stadt wünschen wir besinnliche Weihnachten, einen schwungvollen Jahreswechsel und ein erfolgreiches Jahr 2020!

Wir verabschieden uns in die Weihnachstferien, d.h. unser Büro wird vom 23.12.2019 bis 05.01.2020 nur hin und wieder sporadisch besetzt sein. Buchbestellungen bearbeiten wir wieder im neuen Jahr. Die regulären Öffnungszeiten gelten dann erst wieder vom 07.01.2020 an.

Bis dahin, allen eine schöne Zeit!

Dr. Ulrich Baumgärtel, Martin Malangeri und Michael Liebmann



Konstruktives Gespräch mit Bürgermeister Rosenthal am 29. November 2019

Es wird zunehmend eng im Auwald. © Hammer / SKV

Wie in der Presse verlautbart, hat PRO LEIPZIG am 22. Juli 2019 gemeinsam mit den Umwelt- und Naturschutzverbänden BUND, NABU und Ökolöwe den Rücktritt vom Runden Tisch zur Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzeptes (WTNK) erklärt. PRO LEIPZIG hatte zwar seit Mitte der 1990er Jahre eine Nutzung der Leipziger Fließgewässer, der neuen Seen und Gewässerverbindungen für die Naherholung und für touristische Angebote unter Wahrung der Erfordernisse des Natur- und Landschaftsschutzes und des Stadtbildes mit mehreren Publikationen sowie durch Mitwirkung an Vorhaben der Stadt und Region maßgeblich gefördert. Dabei galt der Schwerpunkt der Bemühungen vor allem dem Wasserwandern mit muskelbetriebenen Booten, der Unterstützung der vorhandenen Personenschifffahrts- und Bootsverleihunternehmen und der Förderung des Breiten- und Leistungssports auf den Gewässern. Die Entwicklung der Gewässernutzung in und um Leipzig in den letzten zwei Jahrzehnten erfüllt die Vereinsmitglieder mit Stolz, zuletzt aber zunehmend mit Sorge. Diese gilt einer quantitativen Überlastung einzelner Gewässerabschnitte, einer steigenden Belastung geschützter Gewässerbereiche, Gedankenspielen zur Ausweitung des individuellen Motorbootverkehrs, einer übertriebenen Dominanz der Belange des technischen Hochwasserschutzes und einer zunehmenden Abkehr von den ursprünglichen Zielen des Projektes Neue Ufer (Freilegung Elster- und Pleißemühlgraben). Pläne zur weiteren Kommerzialisierung der Leipziger Gewässer durch die Schaffung von Infrastruktur, welche ausschließlich den individuellen Motorbootverkehr befördern sollen, werden kritisch gesehen. Deshalb lehnt der Verein u.a. eine Anbindung des vorhandenen Elster-Saale-Kanals an die Saale, eine für motorisierte Nutzer taugliche Gewässerverbindung zwischen Hainer See und Pleiße und den Ausbau der Pleiße für größere Boote ab. Die geplante Neuanlegung der Alten Elster ist für den Hochwasserschutz unnötig und wird als auwaldschädigend abgelehnt. Wir unterstützen dagegen einen möglichst naturnahen Rückbau der Pleiße und der betonierten Weißen Elster unterhalb Leipzigs im Einklang mit den Erfordernissen des Hochwasserschutzes und auch den weiteren qualitativen Ausbau der Angebote für Wasserwanderer (Einsetz- und Umtragemöglichkeiten). Beim Runden Tisch sah der Verein aber kaum Möglichkeiten, seine Positionen nachhaltig in die Diskussion einzubringen. Die Gespräche waren weder zielführend noch verbindlich. Es fehlt noch immer ein Gesamtkonzept zur Zukunft der Gewässernutzung in und um Leipzig, das in der Lage ist, Belange des Naturschutzes, des Hochwasserschutzes, der Stadt- und Landschaftsentwicklung, der Naherholung und des Tourismus in Einklang zu bringen. Dass es anderswo besser geht, zeigen Renaturierungsprojekte an Rhein, Havel, Ruhr, Lippe und Isar. Sie wurden von den Anwohnern begeistert angenommen und gelten als weiche Standortvorteile.

Nach dem offiziellen Rücktrittsschreiben von Umweltverbänden und PRO LEIPZIG hat der Grüne Ring Leipzig (GRL) eine Replik auf seine Webseite gestellt. Als zielführender erwies sich aber die Einladung des Sprechers des GRL, des Leipziger Bürgermeisters für Umwelt, Ordnung und Sport, Heiko Rosenthal, zu einem gemeinsamen Treffen am 29. November 2019.  Er brachte den Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, Rüdiger Dittmar; die dortige Abteilungsleiterin für Wasserwirtschaft und Flächenmanagement, Angela Zábojník; die Leiterin der Geschäftsstelle des GRL, Heike König sowie Dr. Christian Wirth, Professor für funktionelle Botanik an der Universität Leipzig mit. Von Seiten des BUND stellten Justus Wulff und Heiko Rudolf in einführenden Vorträgen die Position der Verbände und des Bürgervereins nochmals ausführlich dar, präsentierten unsere gemeinsame Vision einer gesunden Leipziger Auen- und Gewässerlandschaft, machten konkrete Vorschläge, wie man dahin gelangen könnte. Für NABU Leipzig waren René Sievert und Kirsten Craß unterstützend dabei, für den Ökolöwen Friederike Lägel, für PRO LEIPZIG die Vorstände Martin Malangeri und Michael Liebmann. Während auf dem Ring tausende Menschen bei „Fridays for Future“ wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel anmahnten, vollzog sich das Gespräch drinnen in sehr aufgeschlossener und konstruktiver Atmosphäre. Es wurde vorerst über das Große, Ganze diskutiert und (noch) nicht kleinteilig. Man hörte einander zu und konnte einzelne Missverständnisse ausräumen. Hier und da wurde es schon konkret. So hätte man sich das auch beim Runden Tisch gewünscht. Ob die Verbände und PRO LEIPZIG an jenen zurückkehren, bleibt vorerst offen; zunächst wurde ein zweites Treffen in dieser kleineren Runde begrüßt, zu der Bürgermeister Rosenthal eingeladen hat. Die am 29.11. erlebte konstruktive Gesprächsatmosphäre stimmt zuversichtlich, dass es wieder vorangeht - zum Wohle der Stadt Leipzig, seiner Auwälder und Gewässer.


Vorweihnachtliche Buch-Messe beim PRO LEIPZIG e.V.

© ndr.de

Der Bürgerverein PRO LEIPZIG lädt zur eigenen Buch-Messe in die Räumlichkeiten Waldstraße 19 ein!

Donnerstag, den 28. November 2019, von 13 - 19 Uhr

Freitag, den 29. November 2019, von 11 - 19 Uhr

Samstag, den 30. November 2019, von 15 - 19 Uhr

stellen wir Neuerscheinungen vor, bieten ältere Publikationen und Mängelexemplare verbilligt an, haben noch einige Exemplare längst vergriffener Pro-Leipzig-Bücher im Angebot - und das nur an diesen Tagen und nicht im Buchladen oder Versand. Da sollte sich doch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk finden lassen! Stöbern Sie in unserem Sortiment, plauschen Sie mit unseren Vereinsmitgliedern über unsere Publikationen, die Leipziger Geschichte oder aktuelle Entwicklungen in dieser Stadt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


Pro Leipzig fördert die Restaurierung des Knauthainer Gefallenendenkmals

Unser Vereinsvorstand Michael Liebmann hat 2018 im Auftrag des Kulturamtes und von Pro Leipzig in ausführlichen Gutachten die Provenienz von neun Gefallenendenkmalen unserer Stadt erforscht. Darunter befand sich auch jenes Denkmal vor der Hoffnungskirche Knauthain, welches seit Jahrzehnten verwittert. Es erinnert an 42 im Ersten Weltkrieg gefallene und vermisste Knauthainer. Das Denkmal, von den Knauthainer Gemeindeverordneten initiiert, finanziert aus der Gemeindekasse, vor allem aber aus Spenden, konnte am 25. April 1926 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung eingeweiht werden. Da es zur Zeit der Errichtung keinen geeigneten öffentlichen Platz in Knauthain gab, stellte der Kirchenvorstand unter Pfarrer Otto Niedner den Platz vor der Kirche zeitlich unbegrenzt kostenlos zur Verfügung. Das Denkmal selbst blieb aber Eigentum der Gemeinde Knauthain und ist seit der Eingemeindung im Jahre 1936 Eigentum der Stadt Leipzig. Heute sind die Namen der Gefallenen und die Inschriften nicht mehr lesbar, auch fehlen Teile des Porphyr-Quaders. Der Adler, der das Denkmal einst bekrönte, wurde 1946 heruntergerissen. Er konnte aber 1955 zum Guss der neuen „Friedensglocke“ der Kirche verwendet werden. Einige ältere Bewohner des Stadtteils haben schon mehrfach eine Wiederherstellung des Denkmals angeregt. Eine denkmalpflegerische Zielstellung sollte zunächst u. a. klären, ob der einstige Adler heute wieder aufgesetzt werden soll und wie das Denkmal künftig besser vor Verwitterung geschützt werden kann. Ein restauriertes Denkmal hätte nicht nur einen ästhetischen Wert für das Ortsbild im Umfeld der Hoffnungskirche. In einer Zeit, in der die Zeugen der Schrecken des letzten Krieges immer weniger werden, in der wir tagtäglich vorm Fernseher die Kriege in der Welt immer gleichgültiger verfolgen, in dieser (unserer) Zeit ist es umso wichtiger, greifbare Erinnerungen an die Folgen von Kriegen für die heutigen und die künftigen Generationen zu bewahren. Ein „lesbares“ Knauthainer Denkmal könnte zeigen, dassder Krieg von 1914 bis 1918 bis in den kleinsten Ort hinein große Opfer forderte und in etwa 40 Familien Lücken – Väter, Söhne und Geschwister – riss. Erinnert sei auch daran, dass der Zweite Weltkrieg allein unter den Knauthainern 250 Gefallene und Vermisste forderte! Die Knautkleeberger zählten 240 Gefallene und Vermisste, die Hartmannsdorfer 41 und die Rehbacher 14. Hinzu kamen in den Ortsteilen noch 21 Tote durch Luftangriffe (Angaben nach der Chronik von Arthur Löwe). Anlässlich des 100. Jahrestages der Beendigung des Ersten Weltkrieges initiierte die Stadt Leipzig die Restaurierung einer Reihe von Gefallenendenkmalen. Auch eine Restaurierung des Knauthainer Denkmals ist nun in diesem Rahmen möglich. Bei erfolgreicher Einwerbung von Fördermitteln und Spenden könnte die Maßnahme 2019 beginnen. Die Stadt Leipzig hat für unterstützende Spenden folgendes Konto eingerichtet: IBAN: DE 76 8605 5592 1010 0013 50, BIC: WELADE8LXXX, Verwendungszweck: 5.0451.000066.6


Pro Leipzig trauert um zwei längjährig mitwirkende Autoren

Heinz Hieke (4.2.1934–30.10.2019) arbeitete viele Jahre als Lektor beim Leipziger St. Benno Verlag. Daneben und nach dieser Tätigkeit wirkte er in Abstimmung mit dem Sächsischen Landesamt für Archäologie ehrenamtlich als Bodendenkmalpfleger im Leipziger Südwesten bzw. in den devastierten Orten Bösdorf und Eythra. Vor allem aus diesen Orten rettete er wertvolle Teile von historischen Bauwerken vor der Vernichtung. Ein Teil davon ist in einem Lapidarium auf dem Anger der Angersiedlung Knauthain zusammengefasst und öffentlich zugänglich. Viele Funde seiner äußerst wertvollen archäologischen Untersuchungen dokumentierte er in Publikationen. Heinz Hieke wirkte u. a. an den Pro-Leipzig-Publikationen „Im Leipziger Elsterland“ (1997), an der dreibändigen Ausgabe „Hinter den Pappeln. Geschichten aus Knauthain, Knautkleeberg, Hartmannsdorf, Knautnaundorf und Rehbach“ (2002–2004) sowie an den Bänden Angersiedlung Knauthain (2007) und Knauthainer Lebensbilder (Bd. 1, 2012) mit.

Claus Uhlrich (12.5.1930–3.11.2019) arbeitete als Germanist und Buchautor. Am 1.4.2008 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Paul-Benndorf-Gesellschaft zu Leipzig. Als ein Zeichen der besonderen Wertschätzung, wegen seiner umfangreichen, jahrzehntelangen heimatgeschichtlichen Forschungen, ehrte ihn der Vorstand der Gesellschaft mit der Mitgliedsnummer 001. Seine zahlreichen Publikationen und Vorträge, die er in unermüdlicher Arbeit auf den Weg brachte, werden als bedeutsame Zeugnisse der Leipziger Kulturforschung auch künftig Bestand haben. Claus Uhlrich wirkte u. a. an den Pro-Leipzig-Publikationen „Der Marienborn“ (2001), „Majestät hatten sich die Beine gebrochen ... und andere Geschichten über Leipziger Denkmale und Plastiken“ (2005) und „Die Toten mahnen. Kriegerdenkmale in und um Leipzig“ (2015) mit. Für letztgenannte Arbeit wurde ihm 2016 der Sächsische Landespreis für Heimatforschung verliehen.



30 Jahre Friedliche Revolution - Lichtfest am 9. Oktober 2019

Foto: Tom Schulze

Unter dem Motto „Herbst 89 – Aufbruch zur Demokratie“ begingen die Leipziger und ihre Gäste am Abend des 9. Oktober das Lichtfest Leipzig – für viele der emotionale Höhepunkt der Feierlichkeiten in Erinnerung an die entscheidende Montagsdemo vor 30 Jahren. Trotz der tragischen Ereignisse in Halle und der regnerischen Witterung waren rund 75.000 Besucher der Einladung gefolgt, sich nach der Eröffnung des Lichtfestes auf dem Augustusplatz zu Fuß auf den Weg um den Leipziger Innenstadtring zu begeben und entlang der historischen Demonstrationsstrecke zahlreiche Lichtinterventionen zu erleben. Licht, Bild- und Videomaterial überlagerten Fassaden und Räume entlang der rund 3,6 km langen Strecke, Soundcollagen ergänzten den visuellen Ansatz. (Andreas Schmidt, Leipzig Tourismus und Marketing GmbH)
 




Schüler erobern das Neue Rathaus. "Kommunalpolitisches Planspiel" bringt Jugendlichen Stadtpolitik näher

Am 2. Oktober fand ein „Kommunalpolitisches Planspiel“ im Neuen Rathaus von Leipzig statt. Eine 9. Klasse vom Johannes-Kepler-Gymnasium aus Kleinzschocher eroberte das Rathaus und lernte den Stadtrat aus einer ganz neuen Perspektive kennen. Organisiert wurde der Projekttag von Eric Buchmann, Lehrer am selben Gymnasium. Die Schüler lernten spielerisch, wie Kommunalpolitik funktioniert und der Stadtrat arbeitet. In verschiedenen Schüler-Fraktionen beschäftigten sich die Jugendlichen mit kommunalen Themen wie der Frage, ob in Leipzig der Klimanotstand ausgerufen werden soll. „Es ist toll, mit anzusehen, wie engagiert und professionell die Schüler arbeiten. Sie diskutieren angeregt über die Themen, die uns als echte Stadträte ebenfalls sehr beschäftigen.“, so CDU-Stadtrat Michael Weickert, der das Planspiel den Tag über mit begleitete. In einer Schüler-Ratssitzung wurden am Ende die Themen heiß diskutiert. Auch Quentin Kügler, Sprecher des hiesigen Jugendparlaments, war mit vor Ort, stellte das Jugendparlament vor und gab nützliche Tipps. „Gerade nach den jüngsten Ereignissen in Sachsen wird von einer Stärkung der politischen Bildung gesprochen. Mit dem Planspiel möchte ich auch andere Lehrer ermuntern, außerschulische Lernorte wie ein Rathaus in den Politikunterricht zu integrieren. Dort kann Demokratie authentisch, spannend und lehrreich gelernt und gelebt werden.“ so Buchmann abschließend.


Große Nachfrage und viel Spaß beim Elsterstausee-Rundgang

Es mochte an der Ankündigung in der LVZ, der Plakatierung an ausgewählten Orten und/oder am besonderen Interesse der Leipziger Bürger am Thema gelegen haben, dass trotz Regen- und Unwetterwarnungen sowie zwischenzeitlichen Tröpfelns am Sonntag, den 29.9.19, die unerwartet große Zahl von 45 Leuten den Weg zum trockengefallenen Elsterstausee gefunden haben. Organisiert und moderiert von Pro-Leipzig-Mitglied Peter Helbig fand ein zweistündiger Rundgang um das Areal statt, wobei an verschiedenen Stationen der Historiker Dr. Thomas Nabert Wissenswertes zur Historie und der Stadtförster Andreas Sickert Interessantes zur aktuellen Landschaftspflege zu berichten wussten. Dabei gab es auch so manche Anekdote zu belächeln. Anschließend ließ ein Großteil der Teilnehmer den Nachmittag im "Flotten Radler" bei Fischbrötchen, Kaffee, Bier und freundlichen Gesprächen ausklingen. Die einhellige Meinung von Veranstaltern und Gästen war: Gerne wieder!

Ehemalige Badestelle mit Blick auf den "See"


Die Gruppe an der Flutrinne
Stadtförster Andreas Sickert im Gespräch
Thomas Nabert und Peter Helbig beim historischen Vortrag



PRO LEIPZIG lädt ein zur Elsterstausee-Exkursion am 29. September 2019!


Das Stadtteillexikon für Schönefeld-Abtnaundorf und Neustadt-Neuschönefeld kommt! Erstverkauf auf dem Abtnaundorfer Parkfest am 7. September 2019

Es hat mehr Mühe bereitet und länger gedauert als gedacht, die Finanzierung des Stadtteillexikons sicherzustellen. Aber nun ist es endlich so weit: Das Buch ist im Druck! Wenn nicht noch ungeahnte Probleme bei den fleißigen Druckern auftreten, liegen die ersten Exemplare des Lexikons beim Abtnaundorfer Parkfest am 7. September 2019 auf dem Tisch unseres Kooperationspartners "Wir für Schönefeld e.V." zum Verkauf bereit. Ab Montag, den 9. September 2019, ist es dann bei PRO LEIPZIG  in der Waldstraße 19 während unserer Öffnungszeiten (bzw. jenseits davon nach Absprache) oder über unseren Webshop erhältlich. Natürlich findet man das Buch auch in gutsortierten Buchläden dieser Stadt. Wir danken jenen Menschen aufrichtig, die mit ihrer Spende zu den Druckkosten des Lexikons beigetragen und somit die langerwartete Veröffentlichung möglich gemacht haben!



PRO LEIPZIG zieht sich vom Runden Tisch zur Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzeptes zurück

Bildquelle: Julke / L-IZ

Zusammen mit den Umwelt- und Naturschutzverbänden BUND Leipzig, NABU Leipzig und Ökolöwe hat unser Bürgerverein am 22. Juli 2019 seinen Rückzug vom Runden Tisch zur Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzeptes (WTNK) bekanntgegeben. Der bereits 2018 ausgestiegende Naturschutz- und Kunstverein NuKLA hat uns gegenüber schon seine Freude über diesen Entschluss zum Ausdruck gebracht. Hier der Wortlaut unserer gemeinsamen Rücktrittserklärung:

"Die Umweltverbände BUND Leipzig, NABU Leipzig, Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. sowie der Bürgerverein Pro Leipzig erklären hiermit ihren Rücktritt vom sogenannten Runden Tisch zur Fortschreibung des Wassertouristischen Nutzungskonzepts (WTNK). Begründet wird der Rücktritt durch fehlende Diskussion des Grundsätzlichen und von durchaus auch touristisch relevanten Alternativen sowie die fehlende Folgenbetrachtung bei Umsetzung des WTNK. Der Fokus der Initiatoren liegt ausschließlich auf einer fortschreitenden Gewässernutzung und beim Ausbau für den Boots- und Schiffsverkehr. Andere weiche Standortfaktoren werden ausgeblendet.  

Prämissen für ein ergebnisoffenes Beteiligungsverfahren hatten die Umweltverbände bereits im Vorfeld dargelegt (Positionspapier der anerkannten Natur- und Umweltvereinigungen zum WTNK 27.07.2018). Zunächst sollten verschiedene Entwicklungsperspektiven für einzelne Gewässerabschnitte aufgezeigt werden. Um eine fundierte Abwägung zu ermöglichen, sollten dabei Chancen und Konflikte hinsichtlich Naturraum, Naherholung und Sport sowie Bau- und Bewirtschaftungskosten transparent erfasst und bewertet werden. Da dieser Diskurs am Runden Tisch bisher nicht stattfand und offensichtlich auch nicht stattfinden wird, ziehen die Verbände jetzt ihre Konsequenzen daraus.

Für die Verbände ist es selbstverständlich, dass Menschen sich zur Erholung und Freizeitgestaltung auch der Gewässer bedienen, wie es beim sogenannten Gemeingebrauch geregelt ist. Der Bürgerverein Pro Leipzig hat seit Mitte der 1990er Jahre eine Nutzung der Leipziger Fließgewässer, der neuen Seen und Gewässerverbindungen für Naherholung und touristische Angebote – unter Wahrung des Natur- und Landschaftsschutzes sowie des Stadtbildes – mit mehreren Publikationen sowie durch Mitwirkung an städtischen Vorhaben und in der Region maßgeblich gefördert. Seine Bemühungen galten und gelten dabei dem Wasserwandern mit muskelbetriebenen Booten, der Unterstützung und Begrenzung der Personenschifffahrts- und Bootsverleihunternehmen sowie der Förderung des Breiten- und Leistungssports auf den Gewässern.

Um Konflikte zu vermeiden, braucht es eine hinreichende Berücksichtigung der unterschiedlichen, möglicherweise divergierenden Interessen (bspw. Wasserweitschaft, Umwelt- und Naturschutz, Sport, Erholung, Tourismus) und das am besten durch konstruktive Gespräche und fachliche Klärung. Darin bestand die Motivation der Verbände und des Bürgervereins am Runden Tisch engagiert mitzuwirken.

Die Gewässerentwicklung ist mittlerweile durch teure Großprojekte und teilweiser Überlastung infolge intensiver Bootsnutzung geprägt. Der angestrebte weitere Ausbau für Motorboote verschärft zudem die Konflikte mit Sport und Naherholung, ohne günstige Alternativen für einen sanften Tourismus zu prüfen. Für die Verbände steht fest, dass eine lebendige und nachhaltige Gewässerlandschaft so nicht gelingt. Die begleitenden Auen- und Lebensräume werden ebenso wenig berücksichtigt, wie eine verträgliche Stadtentwicklung mit Teilhabe für jedermann. Wesentliche Synergien aus Umweltschutz, Naherholung und Sport zur Entwicklung weicher Standortvorteile bleiben ungenutzt.

Zeitgleich zum Runden Tisch werden eifrig Fakten geschaffen und Projekte vorangetrieben. So wurden im Zuge des Kohleausstiegs WTNK-Projekte für circa 400 Millionen Euro bei der Bundesregierung angemeldet, obwohl beim Struktur-, Energie- und Mobilitätswandel ganz andere Aufgaben zu stemmen sind (unter anderem Elster-Saale-Kanal, Wasserschlange Markleeberg). Bürgerumfragen zum Motorbootverkehr oder das Beteiligungsverfahren zum Pleißemühlgraben im Bereich der Feuerwache zeigen, dass Bürgervoten und gute Argumente wenig Berücksichtigung bei den Entscheidungsträgern finden.

Unter all diesen Umständen bleibt den Umweltverbänden sowie Pro Leipzig nur der Rücktritt vom Runden Tisch, um der wiederholt praktizierten Vereinnahmung durch die WTNK-Initiatoren zu begegnen. Dennoch werden die Verbände die Fortschreibung des WTNK weiterhin kritisch begleiten und konstruktive Vorschläge erarbeiten, auch im Kontext des von ihnen geforderten Genehmigungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung.  

Hinsichtlich der Gewässerentwicklung und -nutzung haben die Verbände folgende Forderungen und Empfehlungen:

1. Aufstellung eines umfassenden Gewässerentwicklungskonzeptes unter Berücksichtigung aller damit verbundenen Interessen.

2. Moratorium für sämtliche Maßnahmen und Projekte aus dem WTNK sowie aus dessen Fortschreibung, bis ein verbindlicher Plan mit Beteiligung der Öffentlichkeit (Strategische Umweltprüfung) entsprechend den gesetzlichen Vorgaben von den zuständigen politischen Gremien aufgestellt und beschlossen wird.

3. Handlungsempfehlung an den Leipziger Stadtrat, die Kommunalverwaltung mit der Prüfung von abschnittsbezogenen Alternativvorschlägen zur naturräumlichen, städtebaulichen und wassertouristischen Entwicklung zu beauftragen.

4. Begrenzung der Gewässernutzung in Abkehr zur derzeitigen Kommerzialisierung der Leipziger Gewässer, d.h. Fokussierung auf muskelbetriebenen Bootsverkehr und dessen Steuerung, Ausschluss der Motorbootnutzung auf Gewässern im Leipziger Auwald über den bisherigen minimalen Umfang hinaus.

5. kein weiterer Gewässerausbau für Motorbootverkehr.

Einschätzungen und Vorschläge zu ausgewählten Gewässerabschnitten werden die Unterzeichnenden demnächst aufbereiten."

Erste Medienreaktionen gab es auch schon. Hier die Berichterstattung von Leipziger Internetzeitung, Leipziger Volkszeitung und Mitteldeutschem Rundfunk:

https://www.l-iz.de/politik/engagement/2019/07/Auch-NABU-BUND-Oekoloewe-und-Pro-Leipzig-verlassen-den-Runden-Tisch-zum-WTNK-286811

https://www.mdr.de/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/verbaende-wasserstadt-leipzig-kritik-100.html

https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Streit-ueber-Zukunft-des-Wassertourismus-in-Leipzig-verschaerft-sich

https://www.l-iz.de/politik/leipzig/2019/07/Umweltverbaende-fordern-sofortigen-Stopp-von-Plaenen-zu-Markkleebeger-Wasserschlange-und-Elster-Saale-Kanal-286836